Eine kleine Weihnachtsgeschichte...

      Eine kleine Weihnachtsgeschichte...

      Karibische "Jingle Bells"


      "Nein wirklich, dieser ganze Weihnachtstrubel geht mir so auf die Nerven."
      Ich heule mich bei meiner Freundin aus, die meine Einstellung nun gar nicht teilt.
      "Seit Wochen nur ,Jingle Bells' und ,Oh Tannenbaum'. Alles rennt und hetzt, nur weil bald Weihnachten ist.
      "Ach, Weihnachten ist doch schön! Ich weiß gar nicht, was du hast.
      Wenn du irgendwo wärst, wo man nicht so feiert wie hier,
      wärst du auch nicht zufrieden."
      Mensch, das ist es, denke ich mir! Irgendwohin, wo es nicht so verdammt weihnachtlich ist.
      Ganz vorsichtig frage ich bei meiner Familie an, ob wir in diesem Jahr nichtmal verreisen wollen.
      "Es gibt bestimmt noch ein paar günstige Last-Minute-Angebote," locke ich.
      Doch Kind und Mann wollen davon nichts wissen. Weihnachten ist nur schön zu Hause. Sagen sie.
      Ist ja auch kein Wunder. Wer hat denn die ganze Verantwortung für die Vorbereitungen an der Backe?
      Wer plant das Essen, wer schreibt den Stapel Weihnachtskarten,
      wer kauft die Geschenke, wer backt die Plätzchen?
      Advent, Advent, die Mutti rennt.
      Ich erzähle meinen beiden von den vielen Dingen, die ich noch zu erledigen habe
      und male gleichzeitig in den schönsten Tönen die Vorzüge einer karibischen Weihnacht aus.
      Es hat einige Tage gedauert, aber ich hab's geschafft.
      Wir haben noch ein richtiges Reiseschnäppchen gemacht.
      Eine Woche Dominikanische Republik.
      Ein Wahnsinn: Weihnachten am Strand. Palmen, Meer und warmes Wetter,
      keine übervollen Weihnachtsmärkte, keine Lichterketten, keine Hektik,
      kein Weihnachtsbraten, der vorbereitet werden will.
      Das Hotel hat natürlich für den 24. ein besonderes Programm.
      Für die meist europäischen Gäste haben sie ein perfektes Arrangement zusammengestellt.
      In der Lounge des Hotels ist ein riesiger Tannenbaum aufgestellt.
      Dahinter hat man eine künstliche Schneelandschaft mit Schneemännern und Schlitten aufgebaut.
      Und man sang "Jingle Bells". Alle sangen "Jingle Bells". Auch wir.
      Mit Tränen der Rührung in den Augen, Weihnachtslieder singend,
      genossen wir den Heiligen Abend und dachten an unsere Lieben daheim.

      "Ja, es war wunderbar", bestätigte ich meiner Freundin.
      Ich bereue nicht, dass wir dieses Mal vor Weihnachten geflohen sind."
      Ob wir denn nichts vermisst hätten, fragt sie noch.
      "Vermisst? Nö, vielleicht hätten sie noch ,Oh Tannenbaum' singen sollen."


      Andere Zeiten brauchen neue Konzepte !

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      :: Gibt es einen Weihnachtsmann?

      In der achtjährige Virginia O´Hanlon aus New York wuchsen zweifel auf, ob es den Weihnachtsmann wirklich gebe. Sie wollte es ganz genau wissen und schrieb einen Brief an die Tageszeitung "Sun":

      "Ich bin acht Jahre alt. Einige von meinen Freunden sagen, es gibt keinen Weihnachtsmann. Papa sagt, was in der "Sun" steht, ist immer wahr. Bitte, sagen Sie mir: Gibt es einen Weihnachtsmann?"

      Virginia O´Hanlon


      Die Sache war dem Chefredakteur Francis Church so wichtig, dass er selber antwortete - auf der Titelseite der "Sun":

      "Virginia, Deine kleinen Freunde haben nicht recht. Sie glauben nur, was sie sehen, sie glauben, dass es nicht geben kann, was sie mit ihrem kleinen Geist nicht erfassen können. Aller Menschengeist ist klein, ob er nun einem Erwachsenen oder einem Kind gehört. Im Weltall verliert er sich wie ein winziges Insekt.

      Solcher Ameisenverstand reicht nicht aus, die ganze Wahrheit zu erfassen und zu begreifen. Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Es gibt ihn so gewiss wie die Liebe und Großherzigkeit und Treue. Weil es all das gibt, kann unser Leben schön und heiter sein.

      Wie dunkel wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe! Es gäbe dann auch keine Virginia, keinen Glauben, keine Poesie - gar nichts, was das Leben erträglich macht. Ein Flackerrest an sichtbarem Schönen bliebe übrig. Aber das Licht der Kindheit, das die Welt ausstrahlt, müsste verlöschen.

      Es gibt einen Weihnachtsmann, sonst könntest Du auch den Märchen nicht glauben. Gewiss, Du könntest Deinen Papa bitten, er solle am Heiligen Abend Leute ausschicken, den Weihnachtsmann zu fangen. Und keiner von ihnen bekäme ihn zu Gesicht - was würde das beweisen? Kein Mensch sieht in einfach so. Das beweist gar nichts. Die wichtigsten Dinge bleiben meistens unsichtbar. Die Elfen zum Beispiel, wenn sie auf Mondwiesen tanzen. Trotzdem gibt es sie.

      All die Wunder zu denken - geschweige denn sie zu sehen - das vermag nicht der Klügste auf der Welt.

      Was du auch siehst, Du siehst nie alles. Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen und nach den schönen Farbfiguren suchen. Du wirst nur einige bunte Scherben finden, nichts weiter. Warum? Weil es einen Schleier gibt, der die wahre Welt verhüllt, einen Schleier, den nicht einmal die Gewalt auf der Welt zerreisen kann. Nur Glaube und Poesie und Liebe können ihn lüften. Dann werden die Schönheit und Herrlichkeit dahinter auf einmal zu erkennen sein. "Ist das denn auch wahr?" kannst du fragen. Virginia, nichts auf der ganzen Welt ist wahrer und beständiger.

      Der Weihnachtsmann lebt, und ewig wird er leben. Sogar in zehnmal zehntausend Jahren wird er da sein, um Kinder wie Dich und jedes offen Herz mit Freude zu erfüllen.

      Frohe Weihnacht, Virginia.

      Dein Francis Church.


      Dieser Briefwechsel zwischen Virginia O´Hanlon und Francis P. Church stammt aus dem Jahr 1897 und zählt als einer der schönste Weihnachtsgeschichten. Der Brief wurde über ein halbes Jahrhundert - bis zur Einstellung der "Sun" 1950 - alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit auf der Titelseite der Zeitung abgedruckt.

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