News rund um Lateinamerika

      Mexico: Busunglück - In Mexiko sterben 63 Menschen
      17.04.06, 22:42 Uhr

      Bei einem schweren Busunglück in Mexiko sind am Montag mindestens 63 Menschen ums Leben gekommen. Nur drei Männer überlebten.

      Der Bus kam bei überhöhter Geschwindigkeit von der Straße ab und stürzte in eine 200 Meter tiefe Schlucht. Er war auf einer kurvenreichen Straße zwischen Mexiko-Stadt und Veracruz an der Küste unterwegs. Der Bus sei zudem überfüllt gewesen, sagte der Chef der Rettungskräfte, Ranulfo Marquez, dem Sender W Radio. Seine Leute hätten große Mühe, die Opfer vom Grund der Schlucht zu bergen. In Mexiko kommt es jedes Jahr während der Osterferien zu schweren Unfällen, da das Verkehrsaufkommen zu dieser Zeit besonders hoch ist.
      Das absolute Wissen führt zu Pessimismus; die Kunst ist das Heilmittel dagegen.
      Friedrich Nietzsche (1844-1900), dt. Philosoph


      Priester zerstückelt schwangere Geliebte

      TOD NACH DER MESSE

      Priester zerstückelt schwangere Geliebte

      In Mexiko hat ein Priester eine grausige Tat gestanden: Der Mann hat seine Geliebte nach der Ostermesse erwürgt und die Leiche später zerstückelt. Die junge Frau hatte ihm zuvor berichtet, sie sei schwanger.

      Toluca - Laut Staatsanwaltschaft sagte die Mutter der Getöteten der Polizei, ihre Tochter habe den Priester kennengelernt, als sie 13 Jahre alt gewesen sei. Die beiden hätten seit Jahren eine Beziehung gehabt und auch eine gemeinsame Tochter im Alter von 18 Monaten. Ob der 42 Jahre alte Priester auch der Vater des zweiten Kindes ist, steht noch nicht fest.

      Der Priester sagte im Verhör, seine Geliebte habe ihn nach der Ostermesse in der Pfarrei nahe Mexiko-Stadt aufgesucht und um Geld gebeten. Die 22-Jährige habe ihm von ihrer erneuten Schwangerschaft berichtet, und daraufhin sei es zum Streit gekommen. Schließlich habe er sie stranguliert und ihre Leiche mit einem Messer zerstückelt. Die Tüten mit den Leichenteilen warf er in der Nähe eines Friedhofs in Chimalhuacan fort. In der Gegend waren in jüngster Zeit die Leichen von fünf anderen Frauen gefunden worden, so dass Spekulationen über einen Serientäter aufkamen.

      Der Staatsanwalt erklärte jedoch, die Aussagen von Familienmitgliedern und Beweisstücke hätten zu der Festnahme des Priesters geführt. Er habe keine Gegenwehr geleistet. Sein Körper weise allerdings Spuren eines früheren Kampfes auf. Der Priester wird nun wegen Mordes angeklagt.

      ffr/AP

      (Quelle spiegel.de)
      Komplette URL : spiegel.de/panorama/0,1518,412092,00.html
      Krass... Das erinnert mich an den Film "El crimen del Padre Amaro", einem mexikanischen Film, der eine ähnliche Geschichte hat... Allerdings auch nur ähnlich... :rolleyes:
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      VENEZUELA: Chavez droht mit Sprengung von Ölfeldern (20.04.2006)

      Zwar existieren wohl noch gar keine amerikanischen Angriffspläne für Venezuela.

      Doch präventiv hat der venezolanische Präsident Hugo Chavez jetzt schon mal mit der Sprengung der Ölfelder seines Landes gedroht - falls es doch dazu kommen sollte.

      Asuncion - Sollten die USA angreifen, "werden wir es so halten wie die Iraker. Wir haben keine Alternative und werden unsere eigenen Ölfelder sprengen", erklärte der linksnationalistische Politiker gestern bei einem Treffen südamerikanischer Staats- und Regierungschefs. Im Konflikt mit den USA gehe es vor allem um Öl, sagte Chavez weiter.

      Die USA haben stets bestritten, Militärpläne gegen Venezuela zu haben. Chavez wurde von der US-Regierung allerdings wiederholt als Bedrohung für die Stabilität Südamerikas bezeichnet. Venezuela ist der fünftgrößte Ölexporteur der Welt.
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      KUBA: Karneval in Santiago de Cuba vom 20. - 28. Juli (20.04.2006)

      Santiago ist in Kuba wohl die afrikanischste, die musikalischste, die leidenschaftlichste und die heißblütigste Stadt.

      Deshalb verwundert es nicht, dass der Karneval in Santiago als eines der aufregendsten Feste in Südamerika bezeichnet wird.

      Die ganze Stadt feiert. Jeder Stadtteil ist mit mindestens einer "comparsa" - einer kostümierten Gruppe, die von einer Musikband begleitet wird - bei den täglichen Umzügen vertreten. Ganz Santiago scheint in der einen Festwoche bis in den frühen Morgen auf den Beinen zu sein und tanzt die Conga - allen voran die attraktiven, lebenslustigen Frauen Santiagos in ihren bunten Kostümen.

      Aber nicht nur der Karneval macht einen Besuch dieser schönen Stadt lohnenswert. Die ehemalige Hauptstadt Kubas, die den Beinamen "Wiege der Revolution" trägt, bietet interessante Sehenswürdigkeit. So wird mitten im Karneval am 26. Juli der Gedenktag des Angriffes auf die Moncada-Kaserne gefeiert. Fidel Castro, der mit dieser Revolte 1953 die kubanische Revolution einleitete, hat diesen Tag in den letzten Jahren immer in Santiago mitgefeiert und den Aufstand mit einer Rede gewürdigt.

      Wenn der Besucher wirklich einmal dem Trubel dieser faszinierenden Stadt entgehen will, besucht er die Basilika del Cobre. Sie liegt unweit der Stadt inmitten tropischer Vegetation. Die Hauptattraktion ist die "Virgen del Cobre", eine schwarze Madonnenstatue, die als Schutzpatronin Kubas verehrt wird. Papst Johannes Paul II. hat sie 1998 gekrönt und gesalbt. Oder er fährt nach Baracoa, in die älteste Stadt Kubas, die an der östlichsten Landzunge der Insel liegt.
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      KUBA: Desaster in der Schweinebucht (20.04.2006)

      Vor 45 Jahren: US-Invasionsversuch auf Kuba scheitert. Am 17. April landen vor Sonnenaufgang fünf Schiffe in der so genannten kubanischen Schweinebucht.

      In der Nacht haben Flugzeuge der USA die kubanische Luftwaffe bombardiert. Jetzt gehen 1.500 bewaffnete Exilkubaner an Land. Zerstörer der US-Marine geben ihnen Feuerschutz. Am Morgen sendet eine Radiostation des amerikanischen Geheimdienstes CIA eine Botschaft an die Kubaner: "Eine Befreiungsarmee befindet sich auf der Insel, um gemeinsam mit euch gegen den kommunistischen Tyrannen Fidel Castro zu kämpfen!"

      Die Invasion ist von langer Hand vorbereitet. Seit Fidel Castro 1959 den kubanischen Diktator Batista stürzte und anschließend die kubanische Wirtschaft einschließlich der einflussreichen US-Firmen auf der Insel verstaatlichte, will Washington den Sozialisten im eigenen Hinterhof beseitigen. Präsident Eisenhower genehmigt dem CIA im Sommer 1969 den Aufbau eines geheimen Ausbildungslagers in Guatemala.

      Hier werden die künftigen Kämpfer für den Umsturz in ihrer alten Heimat ausgebildet. Eisenhowers Nachfolger John F. Kennedy übernimmt den Plan, mit dem die US-Regierung offiziell aber nichts zu tun haben will. Noch vier Tage vor dem Landungsunternehmen erklärt Kennedy: "Unter keinen Umständen wird eine Intervention amerikanischer Truppen in Kuba erfolgen."

      Um diesen Schein zu wahren, erlaubt Kennedy kein weiteres Eingreifen seiner Truppen, als sich in der Schweinebucht ein Desaster abzeichnet. Der Landungsplatz ist denkbar schlecht gewählt: ein Sumpfgebiet mit nur einer Ausfallstraße.

      Außerdem sind die kubanischen Flugzeuge keineswegs ausgeschaltet und greifen nun ihrerseits an. Das wichtigste Schiff der Eindringlinge wird in Brand geschossen. Der vom CIA prophezeite Aufstand der unterdrückten Kubaner bleibt aus. 114 Exilkubaner und vier US-Piloten verlieren bei den Kämpfen ihr Leben.

      Schon am 19. April, zwei Tage nach seinem Beginn, ist der Kampf um Kuba beendet. 1.189 Kämpfer geraten in Gefangenschaft. Die USA kaufen sie später für 60 Millionen Dollar zurück. Das Lösegeld wird als humanitäre Hilfe deklariert.

      Die Niederlage ist für Präsident Kennedy voller Peinlichkeit: Im Land wird ihm Unfähigkeit vorgeworfen, in der UNO klagt ihn Moskau an. Fidel Castro bedenkt die Besiegten in seiner Siegesrede mit einem Schwall von Schimpfworten.

      Sie seien "Würmer, Privilegierte, Parasiten und Söhne von Parasiten, Muttersöhnchen". Castro bleibt der Lieblingsfeind des CIA. In den folgenden Jahren scheitern mehrere Mordanschläge auf den Revolutionär.

      Kennedy rehabilitiert sich politisch durch sein besonnenes Management der Kuba-Krise, als im Oktober 1962 Raketen der UdSSR auf der Insel stationiert werden sollen.

      Der Schlüssel für die Ermordung Kennedys am 22. November 1963 wird bis heute in Kuba gesucht: Manche vermuten Exilkubaner und CIA hinter den Schüssen von Dallas, neuere Recherchen dagegen Fidel Castro, dessen Geheimdienst den Spieß umgedreht habe.
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      USA: "Star-spangled Banner" wird zu "Nuestro Himno" (27.04.2006)

      Vor dem Hintergrund des Streits um die Reform des Einwanderungsrechts in den USA nehmen mehrere Latino-Popstars gemeinsam eine spanischsprachige Version der US-Nationalhymne auf.

      Die Single werde Ende der Woche veröffentlicht, wenn der Senat die Einwanderungsdebatte wieder aufnehme, teilte die Plattenfirma UBO am Samstag in New York mit.

      Die im Latino-Rhythmus arrangierte, spanischsprachige Version von "The Star-Spangled Banner" erhält den Titel "Nuestro Himno" (Unsere Hymne). An den Aufnahmen beteiligt sind unter anderen die mexikanische Popdiva Gloria Trevi, die puertoricanischen Reggaeton-Stars Ivy Queen und Tito El Bambino sowie Voz a Voz, Frank Reyes und Kalimba.

      "Wir haben uns entschlossen, ‘The Star-Spangled Banner‘ neu aufzunehmen, um unsere Solidarität mit den nicht erfassten Einwanderern und deren Streben nach grundlegenden Bürgerrechten zu demonstrieren", sagte UBO-Präsident Adam Kidron.
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      NGO weisen Vorwurf Kolumbiens zurück (27.04.2006)

      Die Hilfswerke Brot für alle und Fastenopfer weisen die Anschuldigung der kolumbianischen Regierung zurück, die Rebellengruppe FARC zu unterstützen.


      Bogotá hatte am Freitag von einer "aggressiven" Plakatkampagne der Hilfswerke gesprochen.

      "Wir haben uns nichts vorzuwerfen", sagte Marina Schmidt von Brot für alle gegenüber der Nachrichtenagentur SDA im Namen der beiden Organisationen. "Einziges Ziel unserer Kampagne ist es, die Öffentlichkeit für Verletzungen der Menschenrechte zu sensibilisieren."

      Eines der Plakate zeigt eine zerbeulte Konservenbüchse mit der Bildlegende "Ein Opfer der Gewalt in Kolumbien". Die Sprecherin wollte sich nicht äussern zu den Beweggründen der kolumbianischen Regierung für die Vorwürfe. Die Nichtregierungsorganisationen (NGO) entwickelten gegenwärtig eine gemeinsame offizielle Position, die sie in Kürze bekannt geben würden.

      Kolumbiens Vize-Präsident Francisco Santos hatte am Freitag (Ortszeit) erklärt, die Schweizer NGO hätten sich für die "Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens" (FARC) und gegen die Regierung von Präsident Alvaro Uribe engagiert. Beanstandet wurden Plakat- und Tür-zu-Tür-Kampagnen in Genf.

      Die betreffenden NGO würden von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) finanziert, sagte Santos. DEZA-Sprecher Thomas Jenatsch sagte dagegen auf Anfrage, die DEZA habe die betreffenden Kampagnen nicht direkt finanziert.

      Sie unterstütze die Programme der beiden Hilfwerke generell, und diese beträfen die Entwicklungshilfe und nicht innenpolitische Belange Kolumbiens, sagte er. "Brot für alle und Fastenopfer sind frei in der Gestaltung ihrer Sammelkampagne für Hilfsprojekte. Es ist nicht an uns, diese zu kommentieren", sagte Jenatsch.

      Er verwies auf die getrennten Rollen von Bundesverwaltung und NGO. Die DEZA, das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), die Schweizer Botschaft in Kolumbien und die NGO stünden in Kontakt.
      Die Schweiz bemüht sich zusammen mit Frankreich und Spanien um eine Lösung des Konflikts zwischen der FARC und Kolumbiens Regierung.

      Noch Anfang April hatte Bogotá den Einsatz der Schweiz gelobt und Aussenministerin Micheline Calmy-Rey zu einem Besuch eingeladen.
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      MITTELAMERIKA: Aussichtsloser Kampf in Mittelamerika (27.04.2006)

      Polizisten oft an Verbrechen beteiligt - Ruf nach harter Hand wird laut.

      Armut, Hunger, Drogen, Diebstahl und Mord - der Kreislauf der Gewalt in Mittelamerika ist unerbittlich. 2005 war laut offiziellen Angaben das Jahr mit den meisten Kriminalitätstoten - bisher. Es wurden in fast allen Ländern mehr Morde begangen als im Jahr zuvor, und es kamen mehr Menschen ums Leben als während der Bürgerkriege in den achtziger Jahren. Selbst in der "Schweiz" Zentralamerikas, Costa Rica, nahmen Gewalt und Kriminalität zu - und die Forderung nach einer harten Hand gegen das Verbrechen.

      Spezialität Erpressung

      Mit "superharter Hand" gehen bereits seit kurzem die Regierungen von El Salvador, Guatemala,, Honduras, Mexiko und Nicaragua gegen Drogenkriminalität und vor allem gegen die Jugendbanden, die Maras, vor. Diese terrorisieren ganze Viertel in den großen Städten. Der Kampf der Staaten zeigte bisher nur wenig Erfolg: In El Salvador wurden 2005 insgesamt 3400 Menschen, meist junge Leute, ermordet. In den ersten drei Monaten dieses Jahres waren es bereits 839.

      Eine Spezialität der Maras ist die Erpressung von Taxichauffeuren und Busfahrern in den von ihnen beherrschten Regionen. In San Salvador brachten sie 2005 mehr als 110 Chauffeure um, weil diese sich geweigert hatten, sich den Erpressern zu ergeben und die geforderte "Maut" zu zahlen. Die Staatsmacht ist machtlos - nicht selten, weil die Polizei mit den Verbrechern gemeinsame Sache macht, sich von ihnen bezahlen lässt oder sie sogar selbst anführt.

      "Es ist wie damals im Bürgerkrieg. Sie brennen einfach Busse nieder", klagte Präsident Antonio Saca, als die Busfahrer demonstrierten und sich weigerten, unter diesen Bedingungen den Transport aufrecht zu erhalten: Von der Polizei erwarten sie nur wenig Schutz. Vor wenigen Tagen wurde in El Salvador ein Mitglied der Eliteeinheit der Polizei festgenommen, als er gerade dabei war, das Lösegeld in Höhe von rund 8000 Euro für ein entführtes Kind zu kassieren.

      Kurz davor war ebenfalls in El Salvador eine Bande von Autodieben aufgeflogen, die von drei Polizisten geführt wurde. Immer wieder werden Polizisten mit den Maras in Verbindung gebracht. Das Vertrauen in die Polizei ist deshalb nicht sehr groß. In einigen Grenzregionen Mexikos wurde die Lage im vergangenen Jahr wegen des Versagens der Polizei so kritisch, dass die Bundesregierung die Armee in Marsch setzte.

      Auch in Honduras und in Guatemala hat die Gewalt zugenommen. In Guatemala mit rund zwölf Millionen Einwohnern wurden 2005 etwa 4800 Menschen ermordet, darunter 617 Frauen und 334 Kinder. Die Regierung reaktivierte jetzt 3000 ausgemusterte Soldaten für den Kampf gegen die Kriminalität.

      Gefängnis als Zentrale

      Eine Spezialität in Mittelamerika ist es, Entführungen und Erpressungen aus dem Gefängnis heraus zu dirigieren. Involviert ist in aller Regel auch das Gefängnispersonal, das gestohlene Handys an die Insassen vermietet. In El Salvador wurden vor wenigen Tagen 3000 Handys und deren Karten deaktiviert, weil mit ihnen Erpressungen organisiert wurden. In Mexiko-Stadt haben die Behörden im Vorjahr versucht, die Gefängnisse für den Handyverkehr abzuschirmen. Ohne Erfolg.
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      ECUADOR: Ecuador schottet sich ab (27.04.2006)

      Die Freihandelsgespräche mit den USA geraten ins Stocken.

      Vor allem die Indios fürchten Billigimporte der Amerikaner. Mit hohen Einfuhrzöllen wollen die Bauern ihre Landwirtschaft schützen

      Luis Macas hatte seine Festtagskleidung angelegt: Poncho, grüner Filzhut und Kniebundhosen. In der Tracht indigener Bewohner schwor der Präsident der Konföderation indianischer Nationen Ecuadors (Conaie) seine Zuhörer auf den Ungehorsam ein: "Der Kampf ist der Weg, den wir von unseren Vorfahren geerbt haben. Es ist der einzige, der uns bleibt", schrie er vor drei Wochen bei der Generalversammlung der Interessenvereinigung, die rund 40 Prozent der Bevölkerung Ecuadors repräsentiert.

      Grund für die an die Regierung gerichtete Kampfansage ist deren Verhandlung mit den USA über ein Freihandelsabkommen zwischen den beiden Ländern. Keine 48 Stunden später wurden die Gespräche ausgesetzt. Bis Ende April hieß es zunächst. Doch der Weg zurück an den Verhandlungstisch ist schwieriger als gedacht.

      Die Regierung in Quito bestreitet einen Zusammenhang ihrer Verhandlungsposition mit den wochenlangen Protesten der Indios gegen ein Freihandelsabkommen. Das sehen nicht alle so. "Conaie nutzt die Ängste der Bevölkerung aus, um sich als Macht gegen eine neoliberale Politik zu positionieren", sagt Felipe Burbano de Lara, Soziologe und ehemaliger Chefredakteur der Tageszeitung "Hoy" aus Quito.

      Seit ihrer Gründung 1986 war die linksgerichtete Conaie mehr als einmal am Aufstieg und Fall ecuadorianischer Präsidenten beteiligt. Mit Alfredo Palacio amtiert bereits der sechste Staatschef in zehn Jahren.

      Die Ängste, auf die Conaie baut, sind teils handfest nachvollziehbar, teils rein ideologischer Natur. Da ist zum Beispiel Bauer Antonio Castro aus Colimes in der Küstenprovinz Guayas. Knapp 2000 Tonnen Reis erntet er im Jahr von seinen Feldern. 2000 von insgesamt 1,48 Millionen Tonnen, die Ecuador jährlich produziert, und die 140 000 Familien Arbeit geben. Nur gut ein Drittel wird im Land selbst konsumiert.

      Nun dringen die USA darauf, jedes Jahr 28 400 Tonnen nach Ecuador zu exportieren. Binnen 17 Jahren sollen die Einfuhrzölle von derzeit 67,5 Prozent wegfallen. "Lieber Gott, sie werden uns umbringen", jammert Castro. Neben Reisbauern fürchten auch solche Familienbetriebe um ihre Existenz, die Zuckerrohr anbauen oder Mais, die jahrtausendealte Traditionspflanze der Ureinwohner.

      "Für uns ist sie wie eine Mutter", sagt Manuel Fares, ein Indio aus der in den zentralen Anden gelegenen Provinz Chimborazo. "Wenn wir das Freihandelsabkommen unterschreiben, werden sie uns genmanipulierten und subventionierten Mais schicken, der zuerst unserer Produktion und dann uns selbst den Garaus macht."

      Das Kapitel Landwirtschaft ist das umstrittenste bei den Gesprächen zwischen Quito und Washington. Das war bei den Verhandlungen mit Peru und Kolumbien ähnlich, die sich aber mit den USA einigten. Das Beispiel Mexikos, das mit den USA und Kanada in der Freihandelszone Nafta vereinigt ist, habe den Ureinwohnern im übrigen Lateinamerika bewiesen, "daß sie zu den Verlierern eines Abkommens mit den USA zählen", sagt Karl-Dieter Hoffmann, Dozent für Lateinamerika-Studien an der Katholischen Universität Eichstätt.

      Zu der antiamerikanischen Stimmung in weiten Teilen der Bevölkerung trägt die Umstellung auf den US-Dollar der ecuadorianischen Wirtschaft im Jahr 2000 bei. Seit die Preise für Grundnahrungsmittel in der Folge um ein Vielfaches stiegen, ist ihrer Meinung nach alles, was aus den USA kommt, Teufelszeug.

      Ihnen gegenüber stehen ecuadorianische Einzelhandelsketten wie Supermaxi, die sehr wohl ein Interesse an einem Abkommen mit den USA haben. Sie gründeten deshalb jüngst ein Komitee zur Förderung des Einzelhandels. "Das Argument, daß die USA uns lebend auffressen werden, ist totaler Blödsinn.

      Wenn wir das Abkommen nicht unterschreiben, ziehen wir einfach nur eine Mauer hoch", sagt Sprecher Saadin Solah. Den Daten des Komitees zufolge könnte allein der Einzelhandel jährlich 110 000 Arbeitsplätze schaffen.

      Weniger optimistisch ist die ecuadorianische Zentralbank. In einer Studie kommt sie zu dem Ergebnis, daß ein Freihandelsabkommen mit den USA jährlich mit 0,027 Prozent zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts beitragen werde. Die Ausfuhren würden anfangs um 0,02 Prozent steigen und mit den Jahren um 0,963 Prozent.

      Was die gefürchtete Überflutung mit Importprodukten aus den USA anbelangt, gibt die Zentralbank Entwarnung. Im Schnitt würden die US-Importe um 1,7 Prozent steigen. Angesichts sinkender Einfuhrzölle beziffert die Zentralbank die Einbußen für den Staat jedoch auf jährlich 163 Millionen Dollar.

      Luis Macas und seine Leute sehen sich in ihrer Skepsis bestärkt. "Wir werden bis zum äußersten gehen", droht der Conaie-Präsident und läßt offen, was genau er damit meint. Bei Protesten und Straßenblockaden im Zentrum des Landes, zu denen Conaie aufgerufen hatte, wurden im März 50 Menschen verletzt und 200 festgenommen.

      Nach einer Atempause sollten die Gespräche morgen wieder aufgenommen werden. Doch die USA haben den Preis erhöht. Sie machen zur Bedingung, daß Ecuador ein Gesetz zurücknimmt, das ausländische Ölbohrfirmen in dem Land dazu zwingt, die Hälfte ihrer Einnahmen aus dem hohen Rohölpreis an den ecuadorianischen Staat abzutreten. Das sei ein "Angriff auf unsere Souveränität", wies Regierungssprecher Enrique Proaño das Ansinnen zurück.

      Ecuadors Außenminister Francisco Carrión baute schon einmal für den Fall eines endgültigen Scheiterns der Verhandlungen vor: "Davon geht die Welt nicht unter."
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      KUBA: König Abdullah und Fidel Castro gehören zu reichsten Staatchefs (11.05.2006)

      Saudi-Arabiens König Abdullah und Kubas Staatschef Fidel Castro gehören ebenso wie Fürst Albert von Monaco und Queen Elizabeth II. zu den reichsten Staatoberhäuptern der Welt.

      Dies vermeldete das "Forbes"-Magazin.

      Die Liste der reichsten Monarchen, Präsidenten und sonstigen Staatsoberhäupter führt der 82-jährige Abdullah mit geschätzten 21 Milliarden Dollar an, wie das "Forbes"-Magazin auf seiner Website berichtete.

      An zweiter Stelle folgt der Sultan von Brunei, Hassanal Bolkiah, mit 20 Milliarden Dollar, auf Platz drei rangiert der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Chalifa bin Sajed el Nahajan, mit 19 Milliarden Dollar.

      Laut "Forbes" steht der kubanische Staatschef Castro an siebenter Stelle mit 900 Millionen Dollar - während der 79-Jährige seinen persönlichen Besitz mit Null beziffert, verweisen Ex-Funktionäre auf Gewinne unter anderem aus einem Kongress-Zentrum in Havanna.
      Laut "Forbes" war die Liste sehr schwer zusammenzustellen, weil die Grenze zwischen dem Vermögen des Staates und dem des Individuums oftmals verschwimme.
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      KUBA: Kuba entsendet Vizepräsident Carlos Lage (11.05.2006)

      Der kubanische Vizepräsident Carlos Lage wird als Castro-Nachfolger gehandelt.

      Der kubanische Staatschef Fidel Castro kommt nicht zum Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union, Lateinamerikas und der Karibik (EULAC), der in dieser Woche (11.-13. Mai) in Wien stattfindet.

      Die kubanische Delegation wird von Vizepräsident Carlos Lage Davila geleitet, bestätigte die kubanische Botschaft in Wien am Montag gegenüber der APA. Die österreichischen Behörden seien in einer Verbalnote davon in Kenntnis gesetzt worden, hieß es.

      Die kubanische Botschafterin in Wien, Norma Goicochea, hatte im Vorfeld des EULAC-Gipfels die große Kooperationsbereitschaft ihres Landes gegenüber Europa betont. Kuba sei bereit zu einem Dialog, der aber "auf der Basis der Gleichheit" erfolgen müsse.

      "Es gibt keine Entwicklungsprojekte mit der EU", so die Botschafterin. Der kubanischen Delegation wird auch Außenminister Felipe Perez Roque angehören, der an den Beratungen der EULAC-Außenminister am Donnerstag teilnimmt.

      Darüber hinaus werden sich Vertreter des offiziellen kommunistischen Kuba am Alternativen-Gipfel "Enlazando Alternativas" beteiligen, der parallel zum Gipfel der Staats- und Regierungschefs in der Bundeshauptstadt abläuft und bereits am Mittwoch beginnt. Unter ihnen ist die Tochter von Ernesto "Che" Guevara, die Kinderärztin Aleida Guevara.
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      VENEZUELA/SCHWEIZ: Hugo Chàvez in Wiener Arena (11.05.2006)

      Der venezolanische Präsident Hugo Chàvez wird am kommenden Freitag, den 12. Mai, an einer Solidaritätsveranstaltung in der Wiener Arena teilnehmen.

      Das geht aus einer Aussendung der Veranstalter von "Hände weg von Venezuela und Cuba" hervor. Zudem soll am Donnerstag eine Begrüßungskundgebung für den "Präsidenten der Bolivarischen Republik Venezuela" stattfinden.

      Chàvez nimmt am Wiener EU-Lateinamerika-Karibik-Gipfel teil. Zu der Veranstaltung in der Arena am Freitag, 18.30 Uhr, werden den Angaben zufolge auch Aleida Guevara, die Tochter von Ernesto "Che" Guevara, der venezolanische Gewerkschaftsführer Ruben Linares und Alan Woods, der Initiator der internationalen "Hands off Venezuela"- Kampagne, erwartet.
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      ÖSTERREICH: Großaufgebot für Lateinamerika-Gipfel (11.05.2006)

      Mit einem Großaufgebot an Sicherheitskräften bereitet sich Wien auf das größte Gipfeltreffen seit dem Wiener Kongress 1815 vor.

      Die etwa 60 Staats- und Regierungs-chefs, die von Donnerstag bis Samstag beim EU-Lateinamerika-Gipfel in der Bundeshauptstadt zusammentreffen, werden von 1500 Polizisten beschützt. Ein besonderes Augenmerk haben die Polizisten auf das Messezentrum als Tagungsort sowie die Hofburg und Schloss Schönbrunn als weitere Veranstaltungsorte.

      Zu den hochrangigen Gästen aus Südamerika zählen unter anderen Brasiliens Präsident Lius Inacio Lula da Silva, Mexikos Staatschef Vincente Fox, Argentiniens Präsident Nestor Carlos Kirchner oder Chiles neugewählte Präsidentin Michelle Bachelet.

      Die zweifellos schillerndsten Persönlichkeiten sind aber Boliviens Präsident Evo Morales, der erst jüngst mit seiner Verstaatlichungsankündigung der Erdgasindustrie für Aufregung sorgte, und Venezuelas Staatsoberhaupt Hugo Chavez. Kubas kommunistischer "Maximo Lider" Fidel Castro kommt nicht nach Wien. Europa wird durch Staats- und Regierungschefs der 25 EU-Staaten sowie der Beitrittskandidaten Bulgarien und Rumänien vertreten.

      Bisher "Luftblasen"

      Es ist bereits das vierte Treffen der EU mit den Staaten Lateinamerikas und der Karibik seit dem ersten Gipfel 1999. Die Zusammenarbeit zwischen Lateinamerika und Europa soll bei den zweijährigen Treffen in den Bereichen politischer Dialog, Wirtschaftsbeziehungen und Entwicklungszusammenarbeit ausgebaut werden. Das Motto des Wiener Gipfels lautet: "Stärkung der bi-regionalen strategischen Assoziation".

      Allerdings kritisieren Experten, dass der Dialog-Prozess seit 1999 bisher nicht viel mehr als "Luftblasen" hervorgebracht hat. So konnte seit 1999 das angestrebte Freihandelsabkommen der EU mit dem größten Handelsblock Südamerikas, Mercosur, nicht geschlossen werden. Dabei gäbe es für Zusammenarbeit viel Potenzial: Die EU ist der größte Investor in Lateinamerika, der zweitgrößte Handelspartner für die gesamte Region und der wichtigste Geldgeber in der Entwicklungshilfe. In internationalen Fragen steht die EU den Staaten Lateinamerikas oft näher als die USA.

      Zeitgleich mit dem Treffen der Staats- und Regierungschefs findet in Wien ein Alternativ-Gipfel sozialer Bewegungen sowie Nichtregierungsorganisationen (NGOs) statt. Dort sollen die Auswirkungen neoliberaler Politik aufgezeigt und neue Netzwerke geknüpft werden.
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      USA: United States of Latinoamerica (11.05.2006)

      Die Tage der Weißen in den USA sind gezählt: Laut neuen Volkszählungsdaten werden Amerikas Minderheiten bald in der Mehrheit sein.

      Vor allem die Latinos sorgen derzeit für ein demografisches Erdbeben.

      Marcia muss sich zwischen Jorge und all den anderen entscheiden. Francisco zwingt Valeria, Pablo über den Vater des Babys die Wahrheit zu sagen. Pablo verführt die biestige Belinda. Valeria ist derweil völlig außer sich, dass Marcia sie für Betos Unfall haftbar macht, weshalb sich die beiden einen blutigen Ringkampf liefern. Und das alles auf Spanisch!

      "Tierra de Pasiones" (Land der Leidenschaft) ist eine der populärsten, spanischen Telenovelas in den USA, zu sehen auf Telemundo, einer Tochter des Networks NBC. Jeden Montag und Mittwoch um 20 Uhr bannt diese Soap hier Millionen Latinos vor den Bildschirm, die sehen wollen, wie es weitergeht mit den üppigen Señoras und ihren Latin Lovers. Auch danach bleibt das Schnupftuch nicht trocken, bei den TV-Dramen "Corazón Partido" (Geteiltes Herz) und "Decisiónes" (Entscheidungen), gesponsort vom Schuppenshampoo Head & Shoulders.

      So beliebt sind diese importierten Heulserien in den USA inzwischen, dass einige demnächst übersetzt auch im englischen Programm laufen sollen; Simultanübersetzungen mit Untertiteln gibt es auf den meisten US-Kanälen jetzt schon. Zugleich wird einer der größten TV-Hits hier, die Kultsatire "Desperate Housewives", seit Ende April vom Disney-Konzern mit spanischer Besetzung und in spanischer Kulisse komplett neu verfilmt - fürs Latino-Publikum.

      "Melting Pot" Las Vegas

      Los signos de la época. Zeichen der Zeit: Amerika wird zweisprachig. Das bestätigen jetzt auch die neuesten Fünfjahres-Erhebungen der Volkszählungsbehörde Census, die gestern veröffentlicht wurden. Demnach sind die inzwischen 42,7 Millionen US-Latinos zur am schnellsten wachsenden Minderheitengruppe geworden; die Schwarzen haben sie als den historisch größten Minoritätenblock sowieso schon längst abgelöst.

      Den Latinos ist allein die Hälfte des gesamten US- Bevölkerungswachstums zwischen 2004 und 2005 zu verdanken.

      Die Zukunft wird noch dramatischer: Jedes zweite Kind unter fünf Jahren entstammt bereits jetzt einer Minderheitenfamilie. Derweil altert der Anteil der Weißen, der zwischen 2000 und 2005 von 70 auf 67 Prozent schrumpfte. Weiße Amerikaner sind heute bereits im Schnitt 13 Jahre älter als ihre Latino-Landsleute.

      Will heißen: Spätestens in ein paar Jahrzehnten werden die Minderheiten in der Mehrheit sein.

      "Diese Zahlen sind ein weiteres Indiz für die wachsende Diversität unserer Nation", erklärte Census-Direktor Louis Kincannon. Fast 100 Millionen Menschen hier rechnen sich mittlerweile einer Minorität zu - ein Drittel aller Amerikaner, auch das ein Rekord. Frühere Statistiken zeigen, dass sich die "Melting Pots" dabei nicht mehr nur in den dafür bekannten Metropolen finden, zum Beispiel New York oder Los Angeles, sondern etwa auch in Honolulu, Fresno, Houston, Las Vegas oder Albuquerque.

      Importiert statt deportiert

      Der Census gibt alle fünf Jahre neue Bevölkerungsstatistiken heraus. Sie sind keine direkten Zählungen, sondern Kalkulationen aufgrund von Geburten, Todesfällen und Zuzügen. Die jüngsten Zahlen haben den 1. Juli 2005 als Stichtag. Da hatten die USA offiziell 296.410.404 Einwohner - 15 Prozent mehr als 2000 und ein geschichtlicher Rekord.

      Der Zuwachs der Latinos kommt einem demografischen Erdbeben gleich, das Politik, Wirtschaft und Gesellschaft der USA auf den Kopf stellen wird. Eine solche "multikulturelle Bevölkerung" sei "gegenüber anderen Rassen toleranter und zuvorkommender" als frühere Generationen, sagte der Demograf William Frey von der Brookings Institution der "Washington Post"
      .
      Erste Ansätze dessen sind bereits zu spüren. So bei der hitzigen Immigrationsdebatte, die kommende Woche im Kongress neu aufgerollt werden soll: Hunderttausende Amerikaner gingen in den vergangenen Wochen auf die Straße, um gegen das geplante Gesetz zum Verbot illegaler Einwanderung zu demonstrieren. Darunter waren auch viele Weiße, die aus Solidarität mitmarschierten. In einer kürzlichen Umfrage erklärten außerdem 61 Prozent der Befragten, illegale Immigranten sollten im Land bleiben dürfen statt deportiert zu werden.
      Bloomberg ist "muy orgulloso"

      Kein Wunder in einem Land, in dem Zeitungen heute schon zweisprachig erscheinen, Schulen zweisprachig unterrichten und die Latin Grammys, die Latino-Version des Musikpreises, in diesem Jahr erstmal nicht mehr in der exilkubanischen Diaspora Miami verliehen werden, sondern im New Yorker Madison Square Garden, der berühmtesten Arena der Welt. "Hoy me siento muy orgulloso", sprach Bürgermeister Michael Bloomberg dazu.

      Nur das mit der Nationalhymne geht vielen noch zu weit. Deren spanische Fassung ("Nostro Himno"), aufgenommen von Stars wie Wyclef Jean und Carlos Ponce, hat zu heftigen Gegenreaktionen geführt. Flugs verabschiedete der US-Senat am Montag eine Resolution, wonach sich solche "Bekenntnisse nationaler Einheit" nur auf Englisch gehörten. "Die breite Mehrheit der Amerikaner sind Immigranten oder Abkömmlinge von Immigranten und stolz auf ihr Heimatland", heißt es darin. "Doch sie sind noch stolzer darauf, Amerikaner zu sein."
      Das absolute Wissen führt zu Pessimismus; die Kunst ist das Heilmittel dagegen.
      Friedrich Nietzsche (1844-1900), dt. Philosoph


      BRASILIEN: Mindestens 67 Tote bei Mafia-Offensive in Brasilien


      Mindestens 67 Tote bei Mafia-Offensive in Brasilien
      Gefängnisrevolte im Bundesstaat Sao Paulo. Offenbar auf die Verlegung mehrerer Mafiaführer haben Kriminelle mit einer Bombenserie mehr als 30 Menschen getötet.

      Rio de Janeiro - Bei der größten Offensive der Drogenmafia in der Geschichte Brasiliens sind am Wochenende mindestens 67 Menschen getötet worden.

      Nach amtlichen Angaben wurden zwischen Freitag- und Sonntagabend (Ortszeit) in der Wirtschaftsmetropole Sao Paulo sowie in anderen Gemeinden des gleichnamigen Bundeslandes rund 150 Anschläge auf Sicherheitsbeamte, Polizei- und Militäranlagen sowie auf öffentliche Einrichtungen verübt. Außerdem sei die Mafia für noch am Sonntagabend andauernde Revolten in rund 60 Gefängnissen verantwortlich, hieß es.

      Die Aktionen seien eine Antwort krimineller Banden auf die Zwangsverlegung von rund 740 Häftlingen in den vergangenen Tagen, teilten die Behörden mit. Dabei waren unter anderem auch mindestens acht ranghohe Mafiabosse isoliert worden. Die Zentralregierung in Brasilia stellte unterdessen dem Bundesland Sao Paulo die Bundespolizei und die Streitkräfte zur Verfügung. Nach seiner Teilnahme am EU-Lateinamerika-Gipfel in Wien und einem Staatsbesuch in Österreich wurde Staatspräsident Luiz Inácio Lula erst im Laufe des Montags wieder in Brasilien erwartet.

      Hunderte von Gefängnis-Besuchern wurden am Sonntag von rund 30 000 revoltierenden Insassen als Geiseln festgehalten. Bei den 52 bei verschiedenen Anschlägen getöteten Menschen handele es sich um 35 Polizisten und Gefängniswärter, 3 unbeteiligte Zivilisten sowie 14 mutmaßliche Verbrecher, hieß es. Außerdem seien bei den Revolten in den Gefängnissen mindestens 15 Menschen gestorben. Es seien mindestens 60 Verletzte und 20 Festnahmen registriert worden.

      Hinter den Anschlägen wird die Mafiagruppe "Primeiro Comando da Capital" (PCC, Erstes Hauptstadt-Kommando) vermutet. Das PCC wird vor allem von inhaftierten Drogenbossen angeführt. Es wurden den Angaben nach mindestens 100 Anschläge auf Polizeiwachen, Militäranlagen und Streifenwagen sowie auch auf Gefängniswachhäuser verübt. Dabei wurden unter anderem Maschinenpistolen und Handgranaten benutzt. Am Sonntag wurden auch 35 Nahverkehrsbusse und eine Bankfiliale in Brand gesetzt.

      Der Gouverneur des Bundeslandes Sao Paulo, Claudio Lembo, erklärte, man werde sich dem Organisierten Verbrechen nicht beugen. "Solche Aktionen von Verbrechern werden nie zum Erfolg führen. Das ist eine Verzweiflungstat", versicherte der Sicherheitsminister des Landes Sao Paulo, Saulo de Castro Abreu Filho.

      Der Präsident der Abgeordnetenkammer in Brasilia, Aldo Rebelo, zeigte sich allerdings skeptischer. "Wenn die Sicherheitssysteme von Gemeinden, Bund und Ländern in Brasilien nicht zusammengeführt werden, haben wir der Mafia wenig entgegenzusetzen", sagte er.

      Medien berichteten, zahlreiche Straßen der Stadt Sao Paulo seien am Wochenende von schwer bewaffneten Polizeieinheiten abgesperrt worden. Zudem seien wichtige Gebäude wie die Polizeizentrale unter besonders stark bewacht worden.



      © dpa - Meldung vom 15.05.2006 06:51 Uhr
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      Friedrich Nietzsche (1844-1900), dt. Philosoph


      MÉXICO/USA: US-Senat stimmt neuem Grenzzaun zu


      US-Senat stimmt neuem Grenzzaun zu
      Fußspuren am bereits existierenden Grenzzaun zwischen Tijuana (Mexiko) und Otay Mesa (Kalifornien).


      Washington - Der US-Senat hat sich für den Bau eines rund 600 Kilometer langen Zauns an der Grenze zu Mexiko ausgesprochen. Die Entscheidung fiel am Mittwoch mit 83 gegen 16 Stimmen. Demnach sollen auf weiteren 800 Kilometern Straßensperren errichtet werden.
      Keine Einigung gab es allerdings über die Frage, ob illegale Einwanderer nach einigen Jahren Aufenthalt eine Chance zur Erlangung der amerikanischen Staatsbürgerschaft erhalten sollten.


      Die bessere Sicherung der Grenze zu Mexiko ist vor allem ein Anliegen der Konservativen im Senat. US-Präsident George W. Bush will zwar - sogar mit Hilfe der Nationalgarde - eine Verbesserung des Grenzschutzes, allerdings strebt er gegen starke Strömungen in seiner republikanischen Partei auch ein Gastarbeiterprogramm und Integrationsmöglichkeiten für illegale Einwanderer an. Nahe des Senatssitzes im Kapitol in Washington demonstrierten während der Sitzung tausende Demonstranten für mehr Immigranten-Rechte.


      © dpa - Meldung vom 18.05.2006 07:04 Uhr
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      KUBA: Der diskrete Terror Castros (25.05.2006)

      Gewalt gegen Oppositionelle gehört zum kubanischen Alltag. Die Europäische Union muß auf die Verbrechen des Regimes mit Härte antworten. Ein Plädoyer von Vaclav Havel; Andre Gluckmann; Madelaine Albright; Arpad Gönzc.

      In diesem Frühling jährt sich zum dritten Mal die Repressionswelle, bei der Fidel Castros Regime 75 führende kubanische Dissidenten festnahm und sie zu langen Gefängnisstrafen verurteilte. Kurz darauf wurde ein internationales Komitee für Demokratie in Kuba (International Committee for Democracy in Cuba) gegründet.

      Die Tapferkeit jener, die ihr gesellschaftliches Gewissen entdeckten, die Angst überwanden und sich der kommunistischen Diktatur entgegenstellten, ist in unserer Erinnerung noch frisch erhalten. Sie erinnert an das Schlüsselklingeln, das im Herbst 1989 auf dem Prager Wenzelsplatz erklang - und später in der ganzen übrigen damaligen Tschechoslowakei.

      Deshalb wurde bei der Konferenz, die unser Komitee vor drei Jahren in Prag abhielt und auf der wir Demokratie in Kuba forderten, mit den Schlüsseln geklingelt, um so die internationale Gemeinschaft auf die Menschenrechtslage in Kuba aufmerksam zu machen, die Opposition des Landes zu unterstützen und alle demokratiefreundlichen Kräfte zu ermutigen. Die Europäische Union führte dann diplomatische Sanktionen gegen Castros Regime ein, wenn auch hauptsächlich symbolische.

      Bald darauf trat jedoch eine gegenteilige Haltung in den Vordergrund. Die EU eröffnete einen Dialog mit dem kubanischen Regime, Sanktionen wurden bedingt ausgesetzt, und es wurde den Dissidenten sogar deutlich gemacht, daß sie in den Botschaften mehrerer demokratischer Länder nicht willkommen waren. Ein feiger Kompromiß und politische Alibis siegten - wie so oft in der Geschichte - über eine grundsätzliche Haltung. Als Gegenleistung ließ das kubanische Regime in einer heuchlerischen Geste eine kleine Anzahl von politischen Häftlingen frei - zum größten Teil solche, die gefoltert worden und schwerkrank waren und bei denen das Regime am stärksten befürchtete, daß sie in seinen berüchtigten Gefängnissen sterben würden.

      Jene von uns, die in Europas neuen postkommunistischen Demokratien leben, haben ähnliche politische Übereinkünfte erlebt, als wir hinter dem ehemaligen Eisernen Vorhang lebten. Auch das Argument, daß die europäische Politik zu keinen Massenverhaftungen in Kuba geführt hat, kennen wir nur zu gut. Doch hat die Demokratie Schwäche gezeigt, und das kubanische Regime hat seinerseits seine Taktiken angepaßt.

      Angesehene Organisationen wie Reporter ohne Grenzen und Amnesty International haben eine Fülle von Beweisen für Einschüchterungen und Gewalt gegen freidenkende Kubaner gesammelt, die sich auf ein anderes Klingeln als das von Schlüsseln gefaßt machen müssen. Ihre Fälle enden oft nicht in Gerichtssälen, sondern in Krankenhäusern. Gruppen der "Kämpfer für die Revolution" - in Wirklichkeit die kubanische Geheimpolizei - greifen ihre politischen Gegner brutal an und werfen ihnen absurde Verbrechen vor, in dem Versuch, sie einzuschüchtern oder zur Auswanderung zu zwingen. Auf der Insel werden derartige planmäßige Schikanen als "actos de repudio" - "Verstoßungsakte" - bezeichnet.

      Politische Gewalt, die den Eindruck bloßer Straßenkriminalität erweckt, ist - anders als Gefängnisstrafen von mehreren Jahren - niemals einfach zu beweisen. Deshalb erhält sie nicht die eigentlich angemessene Aufmerksamkeit der Welt. Dennoch können Tausende ehemaliger politischer Häftlinge aus Mittel- und Osteuropa die Tatsache bestätigen, daß der Tritt eines Geheimpolizisten auf der Straße genauso weh tut wie der Tritt eines Wärters hinter Gefängnistoren.

      Die Machtlosigkeit des Opfers der staatlich organisierten Straßenkämpfe und die Drohungen gegen seine Familie werden genauso erlebt wie die Machtlosigkeit eines Menschen, der während einer Untersuchung der Staatssicherheit schikaniert wird. Viele europäische Politiker, die sich vor Ort ein Bild von der Situation machen wollten, sind in den letzten Jahren abgewiesen worden.

      Einige Europäer sehen Kuba anscheinend als ein weitentferntes Land an, für dessen Schicksal sie sich nicht zu interessieren brauchen, da sie ihre eigenen Probleme haben. Doch das, was die Kubaner heute erleiden, ist Teil unserer eigenen europäischen Geschichte. Wer wüßte besser über die Qualen Bescheid, die dem kubanischen Volk auferlegt werden, als die Europäer, die den Kommunismus ins Leben gerufen und in die Welt exportiert haben, um dann jahrzehntelang teuer dafür zu bezahlen?

      Die Menschheit wird weiterhin den Preis für den Kommunismus bezahlen, bis wir lernen, uns ihm mit aller politischen Verantwortlichkeit und Entschlossenheit entgegenzustellen. In Europa und in Kuba bieten sich uns viele Gelegenheiten dazu. Zudem überrascht es nicht, daß die neuen Mitgliedsländer der EU neue historische Erfahrungen in Europa einbringen - und damit wesentlich weniger Verständnis und Toleranz für Zugeständnisse und Kompromisse.

      Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten werden sich Mitte Juni in Brüssel treffen, um eine gemeinsame Politik gegenüber Kuba zu prüfen. Die europäischen Diplomaten sollten die Folgen einer Annäherung an Castros Regime abwägen. Sie sollten zeigen, daß sie seine Praktiken weder ignorieren noch das Leiden der kubanischen politischen Häftlinge außer acht lassen werden. Niemals dürfen wir die scheinbar anonymen Opfer der "Verstoßungsakte" Castros vergessen.
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      Friedrich Nietzsche (1844-1900), dt. Philosoph


      KUBA: Revolte in Cuba niedergeschlagen (25.05.2006)

      In Cuba haben mehrere Häftlinge Wärter angegriffen. Sie schlugen mit Ventilatoren und Leuchtern auf die Soldaten ein. Der Aufstand wurde niedergeschlagen.

      Insgesamt unternahmen vier Häftlinge innerhalb eines Tages Selbstmordversuche im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba. Drei von ihnen wollten sich mit einer Überdosis Medikamente töten. Die Mittel seien ihnen zuvor verschrieben worden und sie hätten sie offenbar gehortet, hieß es.

      Der vierte Gefangene wollte sich erhängen. Dieser Häftling war in einem Bereich untergebracht, in dem die Gefangenen in Gruppen von bis zu zehn Männern zusammengelegt sind. Als Wärter ihn von seinem Vorhaben abhalten wollten, seien sie von anderen Gefangenen angegriffen worden, teilte ein Sprecher des Lagers mit.

      Beim Betreten des vergitterten Raumes, seien sie von den Häftlingen mit Ventilatoren und Leuchtern angegriffen worden. Die Unruhen seien unter Kontrolle gebracht und die Beteiligten abgeführt worden, berichtet der Nachrichtensender CNN.

      Alle vier Häftlinge hätten überlebt. Die Gefangenen, die an dem Angriff beteiligt waren, wurden anschließend in Bereiche mit einem höheren Sicherheitsgrad verlegt.

      Über die Motive der Männer sei nichts bekannt, erklärte der Sprecher weiter. Bisher sei auch unbekannt, ob die Selbstmordversuche abgesprochen waren oder eine Botschaft damit verknüpft war.

      Insgesamt hat es seit Gründung des Lagers im Januar 2002 insgesamt 39 Selbstmordversuche gegeben - allein 12 davon hat ein 32-jähriger Mann aus Bahrein unternommen.

      Auf dem Luftwaffenstützpunkt Guantanamo hält die US-Armee rund 460 Terror-Verdächtige fest. Die meisten von ihnen sitzen dort seit Jahren, ohne dass Anklage gegen sie erhoben worden wäre oder sie juristischen Beistand erhielten. Wie Menschenrechtsorganisationen hat auch die Bundesregierung eine Auflösung des Lagers gefordert.
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      BOLIVIEN: Evo Morales zittert vor Adriana (01.06.2006)

      Vor ihr zittert Präsident Evo Morales. Adriana Gil (24) hat Grosses vor: Sie will die erste Präsidentin Boliviens werden.

      Sie ist clever, aus gutem Hause, attraktiv und jung. Ihre Vorbild ist die argentinische Legende und Präsidentengattin Eva Peron. Und sie bewundert die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher für ihren starken Führungsstil.

      Adriana Gil will die erste Präsidentin Boliviens werden. Und hat darum am 22. Mai - just ihrem 24. Geburtstag - ihre eigene Partei gegründet. «Es ist das erste Mal, dass in Bolivien eine Frau eine Partei anführt», sagte Gil bei ihrem Amtsantritt. Und bläst zum Kampf gegen Präsident Evo Morales an: «Wir müssen die diktatorischen Tendenzen des Präsidenten kontern», wird sie von «Washingtonpost.com.» zitiert.

      Und wann möchte die ambitionierte Politikerin an der Spitze der Landesregierung stehen? «Ich habe keinen Zeitplan gesetzt. Aber ich habe ja Zeit. Ich bin ja erst 24.»
      Das absolute Wissen führt zu Pessimismus; die Kunst ist das Heilmittel dagegen.
      Friedrich Nietzsche (1844-1900), dt. Philosoph