TV - NDR Tanzabend - Salsashow

      Hallo Christian,

      bei mir ist es eine ähnliche Vorgeschichte - habe früher sehr gern Latein getanzt, und wenn jemand das kann, ist es eine schöne Sache. Ich verurteile auch keine Lateiner per se, stehe aber dem "System Latein" sehr kritisch gegenüber.

      Wie kommt es, dass

      - die "Rumba" im International Latin musikalisch eigentlich ein langsamer Son ist und mit der Afro-Rumba weder musikalisch noch tänzerisch etwas zu tun hat ... das ist doch eigentlich Etikettenschwindel.

      - "ChaCha" im International Latin zu leicht latinisierter Disco-Mucke getanzt wird und andererseits fast niemand in der Szene weiss, dass es heute (im Jahr 2006) eine lebendige ChaCha-Szene in Lateinamerika gibt, mit Bands die diese Musik (teilweise auch unter dem Namen Son) als ihre ureigenste Musik spielen - wieder Etikettenschwindel.

      - "Jive" als Musikgenre überhaupt nicht existiert, wenn man von einer Handvoll Rock'n-Roll-Titeln mit dem Begriff "Jive" im Titel einmal absieht. Und als Tanz gibt es den ausserhalb der "International Latin"-Szene schon gar nicht. Es ist ganz einfach eine Konstruktion, die so in etwa aussehen soll wie Swing. Mit einem Wort - Etikettenschwindel.

      - "Samba", wie er im International Latin getanzt wird, wird wohl von kaum einem Brasilianer als Samba erkannt. Ich erspare mir ab hier das "E"-Wort.

      - "Tango" kommt eigentlich aus Argentinien, aber die Unterschiede zwischen Tango Argentino und International Tango sind hinlänglich bekannt und diskutiert. Welten liegen dazwischen.

      - "Paso Doble". Der Tanz, zu dem es offensichtlich nur ein einziges Musikstück gibt. Und vielleicht noch eine Handvoll anderer Titel, die diesem einen nachempfunden sind, nur mit minimalen Veränderungen. Also nichts, was mich davon überzeugen könnte, dass Paso Doble in der Form, wie er von International Latin angeboten wird, irgendwo als lebendige Tanzkultur existiert. Ich weiss es nicht genau, aber ich vermute, das Ganze soll eigentlich so eine Art Flamenco-Nachbau sein oder so.

      Wenn man das alles so zusammen betrachtet und dazu noch bedenkt, dass sich ganze Heere von Lateintänzern mit Selbstbräuner und dunkel gefärbten Haaren eine Art Latino-Image geben, dann bleibt ein dunkler Nachgeschmack zurück. Es wäre wirklich interessant, einmal herauszufinden, wie das alles zustande gekommen ist. Ich vermute, dass der Wettbewerbs-Charakter hier viel dazu beigetragen hat. Und intereressanterweise sind die Top-Paare im International Latin am überzeugendsten, wenn sie ihre Freestyle-Kür ausserhalb der Wertung ... und ausserhalb des "Zehntänze-Welttanzprogramms" tanzen - warum wohl?

      So lange das alles auf die Tanzturnierszene konzentriert bleibt, soll es mir ja recht sein - jedem das Seine. Aber ich denke, einige von uns spüren, dass wir diese Tendenz zum Fake nicht im Salsa haben wollen.

      Von Latein auf Latino-Tanz umsteigen? Ja, bitte. Aber, liebe Lateiner, tut Euch selbst den Gefallen und setzt Euch dann auch mit der Latinokultur auseinander und nehmt so viel Stunden bei Kubanern, wie Ihr Euch leisten könnt. Und dann reden wir weiter ...

      PS.: Christian, ich meine ausdrücklich nicht Dich persönlich ... bitte nicht missverstehen. :rolleyes:

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Hannes“ ()

      Ok. Desconocida...du meinst deine Erfahrungen...

      Ok Hannes, ich fühle mich in keinster Weise persönlich angegriffen. Keine Sorge...für mich ist das eine interessante Diskussion, doch ich finde sie ist eben doch gut verpackt eben jedem seine persönlche Meinung.

      Klar...meine Meinung ist auch MEINE Meinung. Nur ich möchte weg von pauschalen Klischees. Es ist mir zu einfach, eine ganze Tanzszene zu kritisieren. Sicher sind da die "Selbstbräuner" Herren und Damen (meist sind es nur die Damen), aber wer kann es ihnen verübeln, mit "deutscher" Haut ein wenig Pepp in ihren Look zu holen. Leider ist es dabei wie mit allem - es gibt wahre Meister im "braun sein" (bitte nicht politisch ;) sehen ) und andere die haben es nicht ganz drauf mit den Tinkturen umzugehen.

      Sicher die Turniertänze im Latein sind stilisiert und haben wahrhaft oft den Bezug zu den Wurzeln verlohren...aber in der Samba z.B. beobachtet man immer mehr Elemente wie z.B. die Batjokadas (gulp...wie schreibt man das?), die sehr typisch brasilianisch sind.

      Dem Paso Doble wurden viele Flamenco Elemente beigetan, damit eben mehr ein spanischer Look entsteht. Deshalb muss noch lange kein Paso Doble als Flamenco getanzt werden. Und genausowenig muss es wie der einistige Folkstanz vertanzt werden, der ein sehr simpler Marsch ist...

      Die Rumba, wie auch immer ist ein sehr sinnlicher Tanz. Führ wahr, ich beobachte auch viel zu viele Bewegungen in diesem Tanz...aber eine Cucaracha wird auch im Salsa getantz...und viele Salseros tanzen eher ihren Grundschritt als eine Cucaracha...hehe.

      Also ich für meinen Teil sage nochmals. Es gibt genügend Lateiner, die sehr gute Salseros geworden sind oder es einfach sind...!

      Vielleicht liegt es daran, dass ich sehr gerne mische...so nehme ich auch gerne Hip Hop Elemente in meinen TAnz auf...ohne dabei ein Hip Hopper :D zu sein.

      Leute wie Leon Rose haben glaube ich mal Break Dance gemacht (??) und holen dort sehr viele ihrer Bewegungen her. Das ist auch Geschmackssache, nur klar, wer generell Lateiner Styles nicht mag, der wird sie auch nicht in der Salsa haben wollen.

      Und wer sagt, das Cubaner (alle) das Maß der Dinge sind, wenn doch Salsa in New York zur Blüte gebracht wurde.

      Übrigens ...der Jive ist ein TANZ und keine Musikgattung. Glaube er entsammt den Jitter-Bog (oder so ähnlich).

      Huk