Salsa auf Lanzarote

      Salsa auf Lanzarote

      Hallo,

      im Januar wollen wir mal unser Immunsystem unter der Sonne von Lanzarote auftanken. Weiss jemand, ob dort in Richtung Salsa etwas läuft?

      Irgendwann hat mir mal jemand was von der Rumba Canaria erzählt, im Gegensatz zur Rumba Cubana, oder so. Aber leider habe ich damals nicht richtig hingehört. Weiss jemand von Euch etwas Näheres?


      Schönen Gruß
      Hannes
      @ Hannes:

      Also, Lanzarote habe ich zwar noch nichts gehört, aber generell wird's da bestimmt was geben...
      Also, auf Gran Canaria kannst du auf jeden Fall Salsa tanzen.
      Warum dann nicht auf Lanzarote? ;)
      Außerdem liegt das so schön... Offiziell zu Spanien gehörend, Richtung Afrika... Da tanzt man bestimmt ein heißes Tänzchen... ;)
      Das absolute Wissen führt zu Pessimismus; die Kunst ist das Heilmittel dagegen.
      Friedrich Nietzsche (1844-1900), dt. Philosoph


      Nun sind wir wieder da - gut gelaunt und dank Iberostar-Hotel so rundernährt wie noch nie im Urlaub - und ich dachte bisher immer, auf Lanzarote würde das Essen grundsätzlich nicht schmecken ... weit gefehlt.

      Tja, und um die Kalorien einigermassen wieder abzuschuften, da reicht den Germanosalseros selbstverständlich nicht die läppische Stunde Animationsaerobic pro Tag (war gar nicht so schlecht) oder das Schwimmen im Meer (brrr ...), nein, lasst uns die Salsatecas suchen!

      Von Einheimischen mit Tipps versorgt, suchten wir in unserem ruhigen Fischerdorf Playa Blanca am Südzipfel der Insel die Salsa-Disco "Mojitos" auf. Genau gesagt war Playa Blanca mal ein ruhiges Fischerdorf mit nicht allzu übertriebenem Hotelviertel, das dank eines Bebauungsstops seine Unschuld über mehrere Jahrzehnte mehr oder weniger bewahrt hatte. Nachdem sich aber vor zwei, drei Jahren das Geld nun doch durchgesetzt hat, wurde und wird gebaut wie blöde, und die Hotels haben sich fast über Nacht vervielfacht. Und man hat uns schonend darauf vorbereitet: Sollten wir im nächsten Jahr dort wieder hinfahren, wird uns ein dreistöckiges Einkaufszentrum dort erwarten, wo momentan noch schwarze Vulkanasche liegt ...

      Naja, zurück zum Salsa: Die Bauwut hat vor nicht allzulanger Zeit dazu geführt, dass das bisherige Vier-Sterne-Hotel Princess sich eine Fünf-Sterne-Erweiterung geleistet hat, und dort unten drunter ist das "Mojitos" - eine reinrassige Salsa-Disco vom Feinsten. Die schönste, die ich bisher gesehen habe.

      Es geht schon mit dem Eingang los - über eine geschwungene Treppe steigt man in einen offenen, mit Kakteen bepflanzten Vorhof hinunter, der mit allerlei hölzernen Weinpressen und einem kompletten recht original aber altertümlich aussehenden Coca-Cola-Lieferwagen dekoriert ist. Hmm ... Coca-Cola und Salsa?

      Das wird langsam verständlich, wenn man die EUR 10 (!) Eintritt (1 Coctail inbegriffen) abgedrückt hat und die Disco betritt, aus der uns schon reinrassiger Salsa entgegenschallt - sie ist komplett im cubanischen Stil der Jahrhundertwende (1900, wohlgemerkt) eingerichtet. Die Decke mit getrockneten Palmwedeln dekoriert, Holzdielenfußboden, großzügige Theken verschiedenster Art mit allem bestückt, was man sich an Rum und sonstigen Spirituosen so vorstellen kann. An den Wänden ist kein Platz mehr frei, so viele Fotos, Werbeplakate und Erinnerungsstücke hängen daran - und alles Havanna 1900 - 1910. Bilder, Uhren, Zigarrenutensilien, viele, viele Details, darunter auch ein bemaltes Holzregal, in dem acht Feuerwehrhelme mit Namen liegen (über dem Stammtisch der Feuerwehr Havannas, versteht sich). Und wenn ich mich nicht schwer irre, stehen hier haufenweise Coca-Cola-Flaschen mit einem Logo drauf, das irgendwie alt aussieht und die Flaschen klein und irgendwie original 1900 und jedenfalls sieht es so aus wie zu einer Zeit, in der Coca-Cola auf Cuba noch nicht der Klassenfeind war ... Und und und ...

      Das Ganze ist riesig, größer noch als Hannovers Cuabar, an die ich mich stark erinnert fühle. Aber hier muss ein Team von Innenarchitekten beschäftigt gewesen sein, um in liebevoller Kleinarbeit diese Ausstattung aufzubauen, und es hat mit Sicherheit ein Vermögen gekostet.

      Dann die Tanzfläche - leicht erhöht an eine Seite der Disco, mit einem Boden aus schwarzem Marmor. Rechts und links der Treppe zwei Podeste mit Glasboden, von unten durchleuchtbar, für die GoGo-Girls.

      Tja, die Gogo-Girls. Wenn da welche wären.

      So muss es jedenfalls mal geplant gewesen sein. Leider sind keine da.

      Um genau zu sein - leider ist überhaupt fast niemand da. Wenn die Musik nicht so laut wäre, würde man das Echo seiner Schritte hören, so leer ist der Schuppen. Hallo, ist da jemand?

      Drei, vier Leute lümmeln sich um die Theke herum, aber ansonsten ist die Location leider völlig leer. Wir tanzen ein paar Runden für uns und erklären uns das Ganze damit, dass es Dienstag ist, und für Spanier um 23:30 Uhr sowieso noch viel zu früh. Aber insgesamt waren wir dreimal da, unter anderem auch am Freitag abend (Samstag früh) um ein Uhr, und da war das Gästeaufkommen gerade mal auf zwölf gestiegen.

      Was soll man davon halten? Einerseits die schönste Deko, die ich je in einer Kneipe (Entschudigung, in einem Salsa-Palast) gesehen habe - wenn es auch ein bisschen sehr nach Deko aussieht, schon zu schön, um echt zu sein - , andererseits kein Mensch drin. Wenn wir dieses Ding in Hannover hätten, dann wäre es voll, so viel ist sicher. Ich kann es mir eigentlich nur so erklären, dass das ganze Hotelviertel noch zu neu und unbekannt ist, und dass daher noch keine Gäste oder Einheimischen auf den Laden aufmerksam geworden sind. Und Schnupperkurse, Happy Hours usw. gibt es hier auch nicht. Miß-Management? Haben die Firmen Bacardi und Coca-Cola hier einen Haufen Geld gesponsort, um an die goldenen Zeiten zu erinnern, bevor sie von der Revolution aus Cuba geworfen wurden, und jetzt kümmert sich keiner mehr drum? Keine Ahnung.

      Na gut, zweiter Versuch. Wir fahren, wieder ermutigt durch einige einheimische Tipps, nach Puerto del Carmen. Das ist sozusagen das Sündenbabel von Lanzarote, die Tourihochburg, da steppt der Bär. Und man hat uns gesagt, dass gegenüber vom Casino eine Salsa-Kneipe ist, mit dem Namen "Los Latinos". Vielversprechend.

      Es war zwar nicht direkt gegenüber aber immerhin in der Nähe, und auf meine Frage, ob hier denn auch Salsa gespielt wird, nicken die zwei Schlepper, die sich prompt um uns geschart haben, heftig. Selbstverständlich. Mir schwant Übles.

      Was für ein Kontrast zum "Mojitos". Ein dunkler, pekiger Raum, schäbig an den Wänden, und die Tanzfläche hat schon längere Zeit keinen Besuch mehr von der Putzfrau gehabt. Dank Happy Hour bekommen wir immerhin 4 Orangensäfte für insgesamt 6 EUR aufgenötigt - hätten auch Drinks sein können, kein schlechtes Geschäft. Offensichtlich bemüht man sich hier um trinkfreudige Touris, die dann völlig absacken und ein kleines Vermögen am Tresen lassen. So ungefähr sehen auch einige Gäste aus - hackeblau.

      Na gut, verratzte Kneipen gibt es auch anderswo. Wenn man wenigstens Salsa tanzen kann, nimmt man das in Kauf. Aber es läuft kein Salsa, sondern normale Disco-Musik, Lautstärke am oberen Anschlag. Und als ich die Tanzfläche anteste, bin ich mal wieder der Einzige - so hacke sind die anderen denn doch nicht, dass sie etwa tanzen würden. Schliesslich sind sie ja nur in einer Disco. Und da tanzt man bekanntlich nicht, sondern lässt sich vollaufen. Und überhaupt, es ist ja schließlich erst 23 Uhr ...

      Ich frage den Disk-Jockey, ob und wann denn hier Salsa gespielt wird. Er schaut auf die Uhr und verspricht, in zehn Minuten.

      Nun hat man ja schon genügend Erfahrung mit DJs gemacht um zu wissen, dass dies hier ein leeres Versprechen war. Und richtig, um 0:30 ist meine Freundin zwar total entnervt von der Musik (und ich bin auch schon etwas angesäuert), aber Salsa ist immer noch keiner gelaufen. Ich frage einen latinomäßig aussehnden Typen, ob hier denn jemals Salsa gespielt wird. Ja sagt er, so ab 2 Uhr. Wie bitte?

      Wir flüchten. In die Arme des nächsten Schleppers, der immerhin etwas südamerikanisch aussieht. Er führt uns zu einer Kneipe, die "Salsa Show" heißt. Toll.

      Nur schade, sie ist leider zu. Freitag und Samstag, da wäre sie dann offen, von acht Uhr an, und der DJ kommt wie unser Schlepper aus Columbien, sagt er, ein guter Freund von ihm. Und zum Trost führt er uns noch gegenüber ins "Havanna Café". Dort läuft zwar kein Salsa, aber immerhin Latin Disco. Übrigens ist gerade Happy Hour, setzt Euch, wie wäre es mit 4 Drinks zum Preis von zwei? Wir haben die Nase voll und fahren wieder zurück ins Hotel.

      Samstag, letzter Versuch. Er soll es jetzt bringen. Tanzschuhe schnüren, in den Mietwagen springen und wieder auf nach Puerto del Carmen ins "Salsa Show". Die Vorfreude steigt. Endlich werden wir erleben, wie auf canarisch Salsa getanzt wird. Endlichendlichendlich.

      Wir kommen an, biegen voller Erwartung um die Ecke. Das "Salsa Show" ist dunkel. Zu, vergittert, closed, cerrado, terminado. Es war einmal. Entweder ist es pleite oder kaputt oder der Buchhalter ist mit der Kasse durchgebrannt oder alles drei. Jedenfalls ist hier nichts zu machen, und da es bereits kurz vor 24:00 Uhr ist, wird sich hier auch nichts mehr tun.

      Frustriert schlappen wir rüber ins "Havanna Café", und, was hören unsere müden Ohren? Zwar kein Salsa, aber immerhin Merengue. Immerhin.

      Im Havanna Café ist es ziemlich voll, es gibt eine winzige Tanzfläche, die mit recht rauhen Fliesen nicht gerade tanzfreundlich ist. Aber nachdem wir einige Zeit im Merengue mitgehoppelt sind, erklingen doch tatsächlich so vier, fünf Salsas, und es lassen sich zwischen den einzeln tanzenden (meist weiblichen) Gästen immerhin drei Salsa-Paare ausmachen.

      Kurz ist das Glück und schnell wieder vorbei, schon bald hat uns der rauhe Merengue-Alltag wieder. Wir verlassen die Kneipe und suchen die Strasse, die wahrlich gespickt von Discos ist, noch etwas nach Salsa ab. Betrunkene Engländer gibt es ohne Ende, aber von Latino-Musik keine Spur.

      Also - wer im Urlaub Salsa tanzen will, muss dafür zumindest nicht extra nach Lanzarote fahren. Auf Gran Canaria soll das besser laufen, habe ich gehört, und wir haben uns damit getröstet, dass wir auch etwas Standard und Latein können und praktisch jeden Abend irgendwo in einem der Hotels zu "normaler" Opa-Tanzmusik getanzt. Das machen wir glatt, da kennen wir nichts, den Spaß lassen wir uns nicht nehmen :D ...

      Aber man lernt, die Salsa-Szene in Hannover zu schätzen, das sage ich Euch ... schön, dass wir wieder hier sind ... :D 8) :) :P


      Schönen Gruß
      Hannes
      Hm...das sind ja nicht so dolle Erfahrungen...aber so ist das oft auf den Kanaren...nur...an Schleppern würde ich mich nie wenden...eher mal an eine oder einen netten Einheimischen...

      doch wahrscheinlich ist auf Lanzarote die "Szene" eh nur sehr klein. Und der Otto Normal Tänzer dort, sieht das alles recht locker...nicht so wie im perfektionistischen Deutschland..

      :D

      Saludos
      Chris