News rund um Lateinamerika

      BOLIVIEN: Tourismus gegen Kokain
      (21.02.2007)

      Die Tiefland-Indianer Boliviens werden immer weiter zurückgedrängt.

      Der Stamm der Yuracaré tritt jetzt die Flucht nach vorn an und wirbt um Ökotouristen. Besucher im Dschungel sollten jedoch eine große Portion Abenteuerlust mitbringen - und Appetit auf Piranhas. Ein Erfahrungsbericht.

      Zwei Tage bei einem Indianerstamm im Amazonasgebiet Boliviens leben - das ist der Plan. Aber erst einmal müssen wir zu den Yuracaré-Indianern überhaupt hinkommen, und das ist gar nicht so einfach. Die Reise beginnt morgens früh um 7 Uhr an einem Militärcheckkontrollpunkt hinter dem Städtchen Villa Tunari im Zentrum des Landes.

      Indianische Frauen mit langen Zöpfen und bunten Bündeln warten auf eine Mitfahrgelegenheit, ein paar Hühner scharren im Dreck, ein Soldat schiebt seine Sonnebrille zurecht. Schließlich haben wir den Fahrpreis für ein erbärmlich klapperndes Taxi ausgehandelt, das uns über eine holprige, mit Flusssteinen gepflasterte Piste bis tief hinein in den Chapare, das Hauptanbaugebiet Boliviens für Coca, brin

      An vier Checkposten werfen gelangweilt dreinblickende Soldaten einen nachlässigen Blick in unser Gepäck - es könnte ja sein, dass wir Chemikalien dabei haben, die für die Kokainproduktion eingesetzt werden können. Die letzten Ausläufer der Anden verschwinden hinter sich hoch auftürmenden Wolkenbergen, der Dschungel links und rechts der Straße wird immer grüner und dichter. Die Luft ist feucht und heiß. Nach zwei Stunden erreichen wir das Örtchen San Gabriel, ein Kaff aus windschiefen Bretterbuden, auf deren Wellblechdächern große Satellitenschüsseln stehen. "Na ja," sagt der Fahrer augenzwinkernd "Coca ist eben ein gutes Geschäft."

      San Gabriel ist das letzte Dorf vor unserem Ziel, dem Nationalpark Isiboro, der zugleich den Yuracaré-Indianern als Siedlungsgebiet zugewiesen wurde. Eine Weile lang sieht es so aus, als würden wir gar nicht erst bis dorthin kommen. Der bestellte Fahrer ist nicht da, die Straße, so heißt es, sei weggespült. Aber wir finden schließlich einen Besitzer eines noch klapprigeren Wagens, der uns doch noch zum Rio Isiboro bringt: über eine Schlammpiste, die der Fluss schon halb verschlungen hat, und über Brücken, die nicht mehr sind als zwei Bretter in Reifenbreite.

      Holt uns der Taxifahrer übermorgen wieder ab?

      In zerrissenen Shorts und T-Shirts stehen die Abgesandten der Yuracaré-Indianer am Wegesrand und warten auf die Gäste. Don Freddy sagt nicht viel, er schultert das Gepäck und läuft voran auf einem schmalen Pfad, der sich durch dichtes Unterholz bis an den Fluss schlängelt, wo ein Kanu wartet. Wir stolpern hinterher und hoffen, dass sich der Taxifahrer daran erinnern wird, uns übermorgen wieder hier abzuholen.

      Es ist Mittag, als wir schließlich die kleine Lagune im Nationalpark erreichen, an deren Ufer die Yuracaré-Indianer leben. Die Hütten der zwölf Familien stehen auf Pfählen, über Leitern klettert man auf einen aus Blättern geflochtenen Zwischenboden, auf dem Schlafstätten eingerichtet sind. In der gesamten Konstruktion steckt kein einziger Nagel, die Querhölzer sind mit Lianen an den Stützpfeilern festgezurrt. Dona Marie Luz schuppt frisch gefangene Piranhas und brät sie für uns an Holzstecken über einem offenen Feuer.

      Ihre Kinder schauen uns mit großen Augen an, ihr Mann Don Freddy versucht Konversation zu betreiben, indem er uns erzählt, dass sein fünfjähriger Sohn am Morgen beim Fischen unseres Mittagessens fast von einem Kaiman gefressen wurde. Irgendwie werden wir das Gefühl nicht los, hier Eindringlinge zu sein, die in dem beschaulichen Dorfleben des Indianerstammes nichts verloren haben. Schließlich fasst sich Don Freddy ein Herz: "Wir sind noch nicht richtig daran gewohnt, Fremde hier zu haben, und wir wissen nicht so genau, was Ihr euch wünscht. Aber wir sind froh, das ihr da seid, denn der Tourismus ist für uns die letzte Überlebenschance."

      Cocafelder reißen riesige Wunden in den Dschungel

      Bis vor einer Generation waren die Yuracaré-Indianer Jäger und Sammler, die von dem lebten, was der Urwald ihnen bot. Doch ihr Lebensraum wird immer kleiner, die Gebiete sind längst nicht mehr groß genug, um darin herumzuziehen. Der Stamm löst sich langsam auf, gerade mal 200 Familien leben noch in dem zugewiesenen Areal. Das Gebiet schrumpft zusehends, denn aus dem bitterarmen Hochland Boliviens ziehen immer mehr Siedler ins tropische Tiefland.

      Hier gedeiht der Cocastrauch - und der verspricht ein gutes Auskommen. Auf der Suche nach Anbauflächen für das grüne Gold machen die Siedler weder vor Nationalparkgrenzen noch vor Gebietsansprüchen der Ureinwohner Halt und roden den Regenwald. Über Google Earth ist gut auszumachen, wie die Cocafelder Wunden in den Dschungel reißen. Die Yuracaré haben weder die Möglichkeit, die Siedler zurückzudrängen, noch eine Lobby in der Regierung.

      "Wenn Touristen zu uns kommen, verschafft uns das eine Stimme, dann bekommen wir Aufmerksamkeit und können nicht mehr so einfach ignoriert werden", erklärt Don Freddy den Einstieg seines Stammes ins Reisegeschäft. "Außerdem kann unser Stamm so etwas Geld verdienen. Ohne Touristen bleibt uns nur, selber Wald zu roden um Coca anzubauen."

      Mit Hilfe einer deutsch-bolivianischen Initiative haben die Yuracaré deshalb ein Programm für Ökotouristen entworfen. Wanderungen durch den ursprünglichen Regenwald mit Erklärung der verschiedenen Pflanzen gehören dazu, ebenso nächtliche Kanuausfahrten zur Kaiman-Beobachtung.
      Beim Aushöhlen eines Einbaums mithelfen

      "Das Projekt will den Yuracaré mit dem Tourismus eine Alternative zum Coca-Anbau bieten und so zum Erhalt der Kultur dieses Stammes beitragen", sagt Bastian Müller. Der Münchner ist einer der Initiatoren des Ökotourismusprogramms. Damit es sich von den Touren anderer Anbieter abhebt, wird den Besuchern angeboten, am täglichen Leben der Dorfgemeinschaft teilzunehmen. Wer will, kann beim Aushöhlen eines Einbaums mithelfen, lernen, wie traditionelles Kunsthandwerk hergestellt wird, sich mit Pfeil und Bogen versuchen oder beim Fischen mit anpacken. Übernachtet wird nicht in einer Lodge oder im Zelt, sondern in einer traditionellen Hütte, selbstredend ohne Strom, dafür mit nächtlichem Urwaldkonzert und garantiert ohne Straßenlärm.

      Kaum dass sich die Nachtmoskitos verzogen haben, übernehmen kleine schwarze Stechfliegen die Tagesschicht. Inzwischen hat sich die Dorfgemeinschaft an uns gewöhnt. Dona Marie Luz lacht darüber, das wir uns mit Dschungelmilch einschmieren, sie will noch einmal die Postkarte mit dem Kölner Dom und Familienfotos aus Deutschland sehen und wissen, was man in Deutschland isst. Die Kinder schaukeln fröhlich in einer Hängematte und erklären uns, wie man ein Kanu so lenkt, dass es nicht umkippt.
      Das moderne Leben scheint unendlich weit weg zu sein - bis plötzlich von irgendwo in der Ferne das Knattern einer Motorsäge herüberklingt.
      Das absolute Wissen führt zu Pessimismus; die Kunst ist das Heilmittel dagegen.
      Friedrich Nietzsche (1844-1900), dt. Philosoph


      KUBA: Fidel Castro setzt auf Linux
      (21.02.2007)

      Kuba will alle staatlichen PCs mit dem Open-Source-Betriebssystem ausrüsten.

      Selbst im späten Herbst seines Lebens ärgert der kubanische Staatspräsident Fidel Castro die USA.

      Neuerdings spricht er sich offen für Open Source anstelle von Microsoft aus. Damit gesellt er sich zu einem weiteren Gegner der USA , dem Staatschef Venezuelas, Hugo Chavez.

      Beide Länder wollen dafür sorgen, dass Microsoft-Produkte möglichst bald auf allen staatlichen PCs durch Linux ersetzt werden. Entsprechende Äußerungen machten Offizielle gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press. Linux statt Windows sei eine Angelegenheit staatlicher Souveränität und Ideologie.

      Auch andere Länder haben ähnliche Absichten bekundet. In China, Brasilien und Norwegen wenden sich die Regierungen dem quelloffenen Linux aus den verschiedensten Gründen zu. Dazu gehören das Monopol von Microsoft bei PC-Betriebssystemen, die teils hohen Lizenzkosten für Windows-Software sowie Sicherheitsbedenken.

      Kuba sieht die Vorherrschaft von Microsoft auf dem PC zudem als nationales Sicherheitsproblem und verweist auf die enge Zusammenarbeit des Softwareriesen mit der amerikanischen Regierung, US-Geheimdiensten und dem Militär.

      Der kubanische Kommunikationsminister Ramiro Valdes hatte diese Woche bei der Eröffnung einer Konferenz Verdächtigungen in dieser Richtung ausgesprochen. Er nannte laut Presseberichten die Kommunikationstechnik ein weltweites Schlachtfeld gegen den Imperialismus.

      Ein weiterer Grund für Linux statt Windows ist jedoch die langsame Anbindung des Inselstaates an das Internet. Das Herunterladen von Windows-Aktualisierungen über die Satellitenverbindung ist ein derart quälend langsamer Vorgang, dass die meisten PCs in Kuba ungepatcht und deshalb sicherheitsgefährdet sind.

      Quelle wie immer: salsaplus.de
      Das absolute Wissen führt zu Pessimismus; die Kunst ist das Heilmittel dagegen.
      Friedrich Nietzsche (1844-1900), dt. Philosoph


      LATEINAMERIKA: Protest gegen Bush endet in Straßenschlacht
      welt.de - 12.03.2007 11:24

      Während seiner Reise durch Lateinamerika spürt der US-Präsident die Abneigung der Menschen gegen ihn. In Bogota sind die Proteste bisher am heftigsten. Bush wird dennoch nicht müde, das US-Engagement für die Region zu betonen.

      Der Besuch von US-Präsident George W. Bush beim engen Verbündeten Kolumbien ist von den bislang schwersten Protesten auf seiner Lateinamerika-Tour überschattet worden. Eine Gruppe von etwa 150 Demonstranten lieferte sich am Sonntag in der Hauptstadt Bogota eine Straßenschlacht mit der Polizei, die Wasserkanonen und Tränengas gegen die Randalierer einsetzte. Laut Polizeiangaben wurden dabei vier Beamte verletzt, etwa 100 Personen wurden festgenommen.

      Einige der insgesamt etwa 2.000 Demonstranten zogen nach der Auseinandersetzung in Richtung Innenstadt weiter. Dort schlugen sie Schaufenster ein und raubten Computer aus Bankfilialen. Auch in Guatemala, wo Bush sich jetzt aufhält, kam es zu Protesten gegen den Besuch und die US-Politik. Eine Gruppe von Maya kündigte eine spirituelle Reinigung ihrer geheiligten Stätte Iximche nach dem Besuch Bushs an.

      Bush betont unterdessen auf jeder Station seiner Reise das Engagement der USA für Lateinamerika. „Es ist sehr wichtig, dass die Menschen in Süd- und Mittelamerika wissen, dass den USA sehr viel an ihnen liegt“, erklärte der Gast etwa in Bogota. Mit seiner Lateinamerika-Reise, die ihn zum Abschluss weiter nach Mexiko führt, will Bush auch dem wachsenden Einfluss der Linken um seinen Erzrivalen Hugo Chavez entgegentreten. Der venezolanische Staatschef, der derzeit ebenfalls durch die Region reist, rief am Sonntag in Bolivien erneut zu Protesten gegen Bush und zu einem sozialistischen Gegenangriff gegen die amerikanische Politik auf.

      Auch auf einer Kundgebung in Buenos Aires am Freitag kritisierte er die US-Politik als imperialistisch. Mit Blick auf die 2009 endende Amtszeit von Bush sagte er, der US-Präsident verströme bereits den „Geruch des politischen Todes“.
      Das absolute Wissen führt zu Pessimismus; die Kunst ist das Heilmittel dagegen.
      Friedrich Nietzsche (1844-1900), dt. Philosoph


      SPIEGEL ONLINE - 11. März 2007, 15:20
      URL: spiegel.de/panorama/0,1518,471072,00.html

      Geistervertreibung nach Bush-Besuch

      George W. Bush besucht eine Ruinen-Stadt in Guatemala - die Maya-Priester dort sind bestens vorbereitet. Sie wollen die heilige Stätte mit Gesängen, Weihrauch, Kräutern und Kerzen von bösen Geistern reinigen, wenn der verhasste Gast wieder weg ist.

      Hamburg - Das Programm der Lateinamerika-Reise von US-Präsident George W. Bush sieht für Montag eine Besichtigung von Iximche vor, den Ruinen der einstigen Hauptstadt eines Maya-Königreiches. Doch die Maya-Nachkommen in Guatemala sind von dem hohen Besuch alles andere als begeistert. "Es ist ein Angriff auf das Volk der Maya und ihre Kultur, dass eine Person wie Bush über unsere heilige Erde gehen wird - mit der Verfolgung unser ausgewanderten Brüder in den USA, mit den Kriegen, die er provoziert hat", sagte Juan Tiney, der Direktor einer Maya-Nichtregierungsorganisation.

      Die geistlichen Führer der Maya-Gemeinschaft hätten beschlossen, die heilige Stätte nach Bushs Besuch von "bösen Geistern" zu reinigen, damit die Ahnen weiter in Frieden ruhen könnten. Zu den Riten, die bei der Geister-Vertreibung vollzogen werden sollen, gehören Gesänge und das Verbrennen von Weihrauch, Kräutern und Kerzen.

      Mit der Zeremonie soll der Ort auch für die nächsten Besucher vorbereitet werden: Ende des Monats kommen Vertreter der Indianer Lateinamerikas zu einer Konferenz nach Iximche.

      Überall in Lateinamerika gibt es Proteste gegen Bushs Besuch. Der Präsident versucht mit einer Charme-Offensive, die Anti-US-Stimmung in den Ländern zu drehen - doch schon in den vergangenen Tagen war es wiederholt zu Demonstrationen gegen den erwarteten Staatsgast gekommen. Am Mittwoch lieferten sich etwa hundert Studenten auf dem Gelände der staatlichen Universität in Bogota eine Straßenschlacht mit der Polizei.
      Los que bailan son techados de locos por los que no oyen la música (de Antoine Filissiadis en "Persigue tus sueños")
      Original von venenorojo
      BOLIVIEN: Copacabana ohne Zuckerhut
      Von Martin Cyris
      Leserbrief 05. Februar 2007

      Keine Bikinis, kein Sandstrand, kein Zuckerhut - doch das hier ist das echte Copacabana: Der bolivianische Ort am Titicacasee, angeblich Namensgeber für das brasilianische Copacabana, ist ein Geheimtipp unter europäischen Rucksacktouristen. Und ein Königreich für Entdeckungsreisende.
      .......


      Ich kann nur bestätigen, dass Copacabana ein hübsches kleines Dorf mit fantastischen Sonnenuntergängen über dem Titicacasee ist. Außerdem der Startpunkt für Bootstouren zur der Sage nach Geburtstätte des ersten Inka auf der Isla del Sol.
      Sehr empfehlenswert ist das Hostal La Cupula , vom Preis-/Leistungsverhältnis eine der besten Absteigen, in denen ich in Bolivien oder Peru untergekommen bin.
      Los que bailan son techados de locos por los que no oyen la música (de Antoine Filissiadis en "Persigue tus sueños")
      MEXIKO: Bush verspricht Mexiko Einwanderungsreform: "Ich werde so hart arbeiten, wie ich kann"
      Stand: 13.03.2007 20:58 Uhr

      US-Präsident George W. Bush hat in Mexiko versprochen, sich trotz Widerstands in den USA weiter für eine Lockerung des Ausländerrechts einzusetzen. "Ich werde so hart arbeiten, wie ich kann, um eine umfassende Immigrationsreform durchzubringen", sagte Bush nach einem Treffen mit dem mexikanischen Präsidenten Felipe Calderon in Merida. Vergangenes Jahr hatte der damals von Bushs Republikanern dominierte Kongress die Reform abgelehnt.

      "Migration kann nicht gestoppt werden und erst recht nicht per Dekret", sagte Calderon. In einem vor dem Treffen mit Bush veröffentlichten Interview hatte er erklärt, er setze keine großen Hoffnungen auf sein erstes Treffen mit Bush.

      Proteste gegen Bush-PolitikMehr als die Hälfte der zwölf Millionen illegal in die USA Eingewanderten kommen aus Mexiko. Das südliche Nachbarland der Vereinigten Staaten hängt in hohem Maße von den Überweisungen der Migranten in ihre Heimat ab. Das Verhältnis beider Länder ist belastet, weil die USA Teile ihrer Südgrenze mit einem Zaun gegen Einwanderer und Schmuggler schützen wollen.

      In Merida und mehreren anderen mexikanischen Städten kam es zu Protestkundgebungen gegen Bush. Auch in Guatemala, einer vorherigen Station der Lateinamerika-Reise des US-Präsidenten, gab es Proteste gegen die Einwanderungspolitk seines Landes.
      Das absolute Wissen führt zu Pessimismus; die Kunst ist das Heilmittel dagegen.
      Friedrich Nietzsche (1844-1900), dt. Philosoph


      Gewalttätige Proteste gegen Bush-Besuch


      US-Präsident Bush hat zum Abschluss seiner Lateinamerika-Reise in Mexiko in Aussicht gestellt, das US-Einwanderungsrecht zu liberalisieren. Trotz der Zugeständnisse kam es zu Ausschreitungen. Die Parole der Demonstranten: "Bush, du bist nicht willkommen in Mexiko."

      Mérida/Mexiko - US-Präsident George W. Bush hat der mexikanischen Regierung zugesagt, sich im amerikanischen Kongress für eine Abmilderung des harten US-Einwanderungsrechts einzusetzen.

      Gewalttätige Proteste: Bush-Gegner in Merida
      Der mexikanische Präsident Felipe Calderón hatte bei dem Treffen mit Bush die US-Pläne für die Errichtung eines über 1000 Kilometer langen Grenzzauns kritisiert.

      Calderón sagte, es sei nachzuvollziehen, dass die USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ihre Prioritäten neu bestimmt hätten. Nun sei es aber an der Zeit, "unsere Beziehungen zugunsten eines Wegs zu beidseitigem Wohlstand auszurichten", sagte er.

      Bush musste außerdem heftige Kritik an seiner Drogenpolitik einstecken. Calderón sagte, solange die USA nicht den Drogenmissbrauch im eigenen Land in den Griff bekämen, sei auch der Schmuggel nicht zu stoppen. "Mexiko erledigt seinen Teil." Der Schlüssel zum Erfolg liege bei den USA.

      Bushs Besuch wurde von Protesten begleitet. In Mexiko-Stadt gingen mehrere hundert Demonstranten gegen Bush auf die Straße. Sie verbrannten amerikanische Fahnen und riefen: "Bush, du bist nicht willkommen in Mexiko. Fahr zur Hölle." Die Menge warf Betonteile auf die Polizei und ging mit Metallstangen und Feuerwerkskörpern gegen die Ordnungskräfte vor. Mehrere Demonstranten wurden verletzt.

      In Mérida, wo sich Bush mit Calderón traf, versuchten etwa 250 gewalttätige Demonstranten, eine von Sicherheitskräften abgesicherte Absperrung zu überwinden. Sie bewarfen die Polizisten mit Steinen. Dabei wurden nach einem Bericht der Zeitung "El Universal" ein Polizist und eine Reporterin verletzt.

      Mexiko war die letzte Station auf Bushs Lateinamerika-Reise. Der US-Präsident wollte heute wieder nach Washington reisen. Zuvor hatte er bereits Brasilien, Uruguay, Kolumbien und Guatemala besucht. Ziel seiner Reise war die Verbesserung der Beziehungen der USA zu Südamerika.

      jaf/AFP/AP/dpa
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      spiegel-online.de
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      - Porque la vida se baila -


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      Koka-Bauern wollen Coca Cola den Namen verbieten

      Quelle : Spiegel.de von 16.03

      BOLIVIEN
      Koka-Bauern wollen Coca Cola den Namen verbieten Bolivianische Koka-Bauern machen Front gegen Coca Cola: Eine Kommission der Industrie forderte jetzt die Verfassungskommission auf, internationalen Konzernen den Gebrauch des spanischen Begriffs Coca zu verbieten.

      La Paz - "Internationale Firmen, deren Name den Begriff Coca enthält (Beispiel: Coca Cola) sollen sich der Benutzung des Namens des gesegneten Blattes enthalten", fordern die Bauern in einer Resolution. Die Kommission hatte gestern drei Tage in Sucre über den Koka-Anbau beraten. Sie erklärte, der Strauch gehöre zum kulturellen Erbe der Andennation.

      Der Coca-Cola-Konzern reagierte in Atlanta wenig verständnisvoll auf die Forderung der Koka-Bauern: Coca Cola sei die "wertvollste und am meisten anerkannte Marke der Welt", betonte der Konzern. Markenzeichen und -name seien auch nach bolivianischem Recht geschützt. Die Koka-Bauern nehmen Coca Cola unter anderem übel, nichts gegen die Verteufelung ihrer Pflanze getan zu haben. "Sie haben es als Rohstoff für Coca Cola importiert, und wir können es noch nicht einmal frei in Bolivien verkaufen", sagte ein Staatsbeamter der Koka-reichen Chapare-Region, David Herrera.

      Nach Angaben bolivianischer Koka-Bauern kaufte der US-Konzern noch vor wenigen Jahren jährlich mehrere Tonnen Koka-Blätter. Ob deren Verwendung zur streng geheimen Rezeptur der Limonade gehört, verriet die US-Firma auch in ihrer jüngsten Erklärung nicht. Es wurde jedoch wiederholt, dass kein Kokain in dem Getränk enthalten sei.

      Das grüne Koka-Blatt, aus dem auch der Grundstoff für die Droge gewonnen wird, ist in seiner ursprünglichen Form ein mildes Aufputschmittel. In bolivianischen Büros wird Koka-Tee statt Kaffee getrunken, Arbeiter kauen das Blatt, um durch einen schweren Arbeitstag zu kommen. Die Vereinten Nationen sollten das Blatt entkriminalisieren forderte die Koka-Industrie in ihrer Erklärung erneut.

      Die USA hatten vor dem Amtsantritt von Präsident Evo Morales - einem ehemaligen Koka-Bauern - in Bolivien ein Ausrottungsprogramm für die Koka-Pflanze unterstützt. Morales versprach nach seinem Wahlsieg jedoch, die Koka-Pflanze zu rehabilitieren.

      ase/AP

      WM-Fussball mit der Unterschrift des bolivianischen Präsidenten Evo Morales zu ersteigern

      LUXEMBURG/LA PAZ, 15. März 2007 - Die Gesellschaft für bedrohte Völker International (GfbV) versteigert bei eBay einen von Boliviens Präsidenten Evo Morales firmierten WM-Fussball. Der Erlös soll Coca-Bauern in seinem Land zugute kommen.

      Mit den Einnahmen will die GfbV die Bauern unterstützen, die fordern, dass die Cocapflanze von der Suchtstoffliste der Vereinten Nationen gestrichen wird. Die Coca-Pflanze - nicht zu Evo Moralesverwechseln mit dem aus ihr gewonnenen Kokain - hat für die in Bolivien lebenden Menschen eine große kulturelle, gesellschaftliche und traditionelle Bedeutung.

      In den nächsten Tagen treffen sich die Bauern der Andenregion in Bolivien, um die wirtschaftlichen Entwicklungen ihrer Region zu diskutieren. Zentrales Thema ist die Forderung, den Anbau der Cocapflanze und die Verarbeitung und den Handel mit dem Naturprodukt zu legalisieren.

      Dies kann aber erst dann erreicht werden, wenn die Cocapflanze von der Suchtstoffliste der Vereinten Nationen gestrichen wird. Den hierfür notwendigen Antrag will Bolivien noch im Mai 2007 beim Generalsekretär der Vereinten Nationen in New York einreichen.

      Mit der Streichung der Cocapflanze von der UN-Suchtstoffliste dürfte die lokale Bevölkerung wieder traditionelle Produkte wie Tee, Kaugummi, Zahnpasta, Erfrischungsgetränke und Medizin aus der Pflanze herstellen und weltweit vermarkten.

      (© argentinienaktuell.com / Text auf Basis einer Pressemitteilung der "Gesellschaft für bedrohte Völker International, GfbV")

      URL: argentinienaktuell.com/newsDetail.php?newsId=1781
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      Pressefreiheit in Südamerika bedroht

      Archiv - Sonntag, 18. März 2007
      URL: kleinreport.ch/meld.phtml?id=39720

      Journalisten und Verleger berichten von Problemen um die Pressefreiheit in Südamerika. Der interamerikanische Presseverband (SIP) äusserte sich am Samstag besorgt über die steigende Zahl von Anschlägen auf Journalisten in Lateinamerika und über die schwierige Situation mancher Medien. Den Angaben gemäss wurden in Mexiko im vergangenen Halbjahr sechs Journalisten getötet. Besondere Kritik übte der Verband an den linksgerichteten Regierungen in Venezuela und Bolivien, die besonders aggressiv gegen Medienvertreter vorgingen.

      Seit dem Amtsantritt des linksgerichteten Präsidenten Hugo Chavez seien Drohungen, Klagen und Angriffe auf Journalisten in Venezuela an der Tagesordnung, sagte David Natera, Herausgeber der Tageszeitung «Diario del Caroni». Inzwischen gehe die Regierung direkt gegen einzelne Medien vor, wie die Schliessung des Fernsehsenders Radio Caracas gezeigt habe. Chavez hatte die im Mai ausgelaufene Lizenz des Senders nicht verlängert mit der Begründung, dieser habe einen Staatsstreich unterstützt. In Bolivien versuche die Regierung des sozialistischen Präsidenten Evo Morales, durch Einschüchterungsversuche Druck auf Journalisten auszuüben, sagte Pedro Rivero von der bolivianischen Zeitung «El Deber de Santa Cruz».
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      Bolivien: Basisorganisationen unterstützen Neuwahlpläne von Evo Morales

      Tageszeitung junge Welt
      21.03.2007 / Ausland / Seite 6
      URL: jungewelt.de/2007/03-21/022.php

      El Alto/La Paz.
      Vertreter sozialer Bewegungen begrüßten zu Wochenanfang die Ankündigung vorgezogener Wahlen in Bolivien. Evo Morales hatte am Wochenende erklärt, er werde Neuwahlen anberaumen, sobald die momentan tagende verfassunggebende Versammlung ihre Arbeit abgeschlossen habe. Gleichzeitig mit den Präsidentschaftswahlen könnten auch Kongreß- und Kommunalwahlen stattfinden sowie neue Gouverneure für die neun Landesteile bestimmt werden, wie Mitglieder der Regierungspartei MAS am Montag (Ortszeit) ausführten.

      Edgar Patana, der Vorsitzende des regionalen Gewerkschaftsdachverbandes COR aus der an La Paz grenzenden Millionenstadt El Alto, erklärte, Morales’ Plänen zu unterstützen. »Alles müsse bei Null anfangen«. Der oberste Anführer der Nachbarschaftsräte von El Alto, Nazario Ramírez, drängte darauf, nicht nur neu zu wählen, sondern gleichzeitig auch die Bevölkerung über die Abberufung von Amts- und Mandatsträgern entscheiden zu lassen.

      Die Opposition im bolivianischen Parlament nannte die vorgezogenen Wahlen dagegen ein »Ablenkungsmannöver«. Oppositionsführer Jorge Quiroga warf Morales vor, den Verfassungsgebungsprozeß durch seine Ankündigung »politisiert« zu haben.

      Der erste indigene Präsident Boliviens hatte einen Wahltermin noch für 2008 in Aussicht gestellt. Ihm bliebe demnach nur noch wenig Zeit, um zu regieren. »Und die Zeitspanne muß sehr gut ausgenutzt werden«, erklärte Morales bei einer Kundgebung in Warnes im Ostteil Boliviens: »Nach meinem Verständnis hat die Politik den Leuten zu dienen, und man soll sich nicht umgekehrt ihrer bedienen«. Nach der gültigen bolivianischen Verfassung dauert sein Mandat noch bis 2011. Morales erklärte nicht, ob er selbst noch einmal für das höchste Staatsamt kandidieren werde.

      Seit Mitte vergangenen Jahres tagt in Sucre, der historischen Hauptstadt Boliviens, ein von der Bevölkerung gewählter Konvent mit 255 Mitgliedern, der die bestehende Verfassung bis Anfang August gründlich überarbeiten soll. Unter anderem sollen die Verstaatlichung der fossilen Brennstoffreserven, die Abkehr vom bisherigen, neoliberal geprägten Wirtschaftsmodell, eine Landreform und eine neue Staatsform darin Eingang finden.
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      Marine ohne Meer

      Bolivien gedenkt heute seiner einstigen Pazifikküste – eine Mini-Armada trainiert auf dem Titicacasee

      Von Michael Schmidt
      (tagesspiegel.de/weltspiegel/archiv/23.03.2007/3158066.asp#)

      Heute werden sie in La Paz wieder alle auf den Beinen sein. Schüler und Studenten, Mütter mit ihren Babys auf dem Arm, Männer, die selbst gebastelte Schiffe aus Pappmaché ausstellen und Soldaten. Sie werden, wenn die Asche Eduardo Avaroas aus ihrer Gruft geholt und die Urne in großer Parade auf den Heldenplatz im Zentrum des bolivianischen Regierungssitzes gebracht wird, dem feierlichen Zug folgen, begleitet von Trommeln und Trompeten. Werden im flackernden Schein unzähliger Kerzen der Rede des Präsidenten Evo Morales lauschen – und schließlich den Marsch des verlorenen Meeres singen: „Voran, Bolivianer, voran, auf zum Meer. Das Vaterland verlangt zurück, die in Ketten gelegte Küste.“

      Der 23. März ist ein Feiertag in dem Neun-Millionen-Einwohner-Staat, der Dia del Mar, der Tag des Meeres. Es ist ein Tag der Trauer und des Trotzes. Ein Tag der Erinnerung an das verlorene Meer – und an die alte Feindschaft mit dem Nachbarn Chile. Die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen sind gut, die politischen auf einem guten Wege – unter den neuen Staatschefs Morales und Michelle Bachelet hat sich das Verhältnis jüngst zu entspannen begonnen – aber: Bolivien und Chile sind nach wie vor die einzigen Länder des Südkontinents, die keine diplomatischen Beziehungen unterhalten.

      Schuld ist die Geschichte. Einst besaß Bolivien einen 400 Kilometer langen Küstenstreifen am Pazifik, 120 000 Quadratkilometer kargen, aber an Bodenschätzen reichen Landes. 1879 stritten Bolivien und Chile sich darum. Bolivien verlor. Mehr als nur die Vorkommen an Kupfer und Salpeter. Bolivien habe in Kriegen gegen Argentinien, Brasilien, Peru, Paraguay immer wieder Land verloren, sagt Patricia Leslie Cuarita Cuenca, Kulturattaché der bolivianischen Botschaft in Berlin: „Aber kein Verlust ist so schmerzreich wie dieser.“ Denn seit dem ist Bolivien ein Binnenstaat, ohne Zugang zum Meer, zur Seefahrt, zu Handel und Reichtum. Das wiegt schwer in einem Land, das als Armenhaus des ohnehin gebeutelten südamerikanischen Kontinents gilt.

      Seit 128 Jahren leidet der Andenstaat unter Phantomschmerzen. Und schwört an jedem 23. März, an den Pazifik zurückzukehren. Vom Meer verspricht man sich Freiheit und Wohlstand. Bis es so weit ist, übt die Marine auf dem Titicacasee. Ja, der Binnenstaat unterhält eine 1 800 Mann starke Marine, die Fuerza Naval Boliviana. Das größte Schiff ist der Hochseefrachter „Libertador Bolívar“. Hinzu kommen 60 Patrouillenboote und ein Flugzeug. Das Herz der Marine schlägt in San Pedro de Tiquina. Hier, am Ufer des größten Sees Südamerikas – der Titicaca ist 13 Mal so groß wie der Bodensee –, 3810 Meter über dem Meeresspiegel, liegt ihr wichtigster Stützpunkt: mit 20 Schiffen plus Kampfschwimmern der größte Kriegshafen des Landes.

      Aber die Tatsache bleibt: Die Armada Boliviana ist eine Marine ohne Meer. Unter den Kadetten zur See gilt auch als was Besonderes, wer das Meer schon einmal gesehen hat. Was Wunder also, dass Spötter die „Spielzeugmarine“ verhöhnen und Marinesoldaten als „Süßwassermatrosen“ belächeln. Die brauchen ein dickes Fell, Selbstvertrauen, Mut. Eben dafür steht Eduardo Avaroa, Boliviens „Held der Helden“. Avaroa, heißt es, habe am 23. März 1879 mit alten Waffen und wenig Kampfgefährten gegen eine chilenische Übermacht gekämpft, die ihn zur Aufgabe zwingen wollte. Avaroa aber soll es vorgezogen haben zu sterben, mit einem Satz auf den Lippen, der ihn unsterblich machte: „Mich ergeben? Soll sich doch eure Großmutter ergeben!“
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      Streit unter Freunden: Bolivien gegen Venezuela – Droht ein Soja-Krieg?

      argentinien aktuell nachrichtendienst
      argentinienaktuell.com/newsDetail.php?newsId=1819

      LA PAZ/CARACAS, 23. März 2007 - Die Regierung von Evo Morales (Bolivien) hat den Botschafter Venezuelas einbestellt, um von ihm eine Erklärung über die vermeintlichen Beschränkungen für den Import von Soja einzufordern.

      Klassifiziert wurde die Maßnahme als "eilig", weil besagte Importbeschränkungen einen "Negativ-Effekt" auf die Produktion in Freunde: Morales, ChavezBolivien hätten, wie der bolivianische Vize-Minister für Handel und Exporte, Pablo Rabzuck, gegenüber der Nachrichtenagentur Infobae.com sagte. "Wir erwarten den Botschafter am Montag in unserem Ministerium". In leicht drohendem Unterton fügte der Politiker hinzu: "Bevor wir den Sachverhalt nicht genau kennen, können wir keine Gegenmaßnahmen ergreifen".

      Venezuela ist der Hauptexportmarkt für Pflanzen aus Bolivien, die der Ölproduktion dienen. Der größte Teil entfällt auf die Soja-Bohne und ihre Derivate.

      Grund für den Aktionismus der Regierung in La Paz ist eine Beschwerde des Instituts für Außenhandel ("Instituto Boliviano de Comercio Exterior", IBCE) über einen "vermuteten Protektionismus" des venezolanischen Marktes.

      Nach Angaben des IBCE hat die Regierung in Caracas veranlasst, dass für die Bewilligung der für den Import notwendigen Devisen ein Dokument vorliegen muss, in dem bestätigt wird, dass die Inlandsproduktion "nicht ausreichend" sei.

      Was wohl Hugo Chávez dazu sagt?
      Los que bailan son techados de locos por los que no oyen la música (de Antoine Filissiadis en "Persigue tus sueños")

      Ein Koka-Bauer wird Präsident

      LEIPZIG. Muruchi Poma hat das Leben des bolivianischen Präsidenten akribisch nachgezeichnet. In einem ausführlichen ersten Teil beschreibt Poma das Umfeld des jungen Morales. Aufgewachsen ist er in einem Dorf in ärmlichen Verhältnissen, drei Zimmer hat das kleine Haus der Eltern. Auf mehr als 30 Seiten schildert Poma detailliert die Lebensverhältnisse der Aymara, einer Volksgruppe in Bolivien. Sie seien wichtig, sagt Poma, nur mit diesem Hintergrund könne Morales Denkweise und Politik verstanden werden. „Seine ganze Mentalität ist geprägt durch seine Herkunft.“

      Wichtig im Leben der Aymara ist der Koka, einKulturgut der Urbevölkerung. Morales war selbst Koka-Bauer und setzt sich seit langem für die Interessen dieser Bauern ein. Dies ist Thema des zweiten Teils der Biographie. Es zieht sich durch das Leben Morales.Die Menschen kauen die Koka-Blätter, ein Ritual, dass lange Tradition besitzt. Aus dem Koka ließe sich allerdings auch die Droge Kokain gewinnen. Vor Morales Amtszeit gab es daher populäre Anti-Drogenkampagnen, die sich gegen den Koka-Anbau wandten. Morales will nun als Präsident sein Wahlversprechen einhalten und die kommerzielle Nutzung der Koka-Pflanze fördern.

      Nach 23 Jahren als Gewerkschaftler und Politiker gelingt es Morales im Dezember 2005, die Präsidentschaftswahlen in Bolivien zu gewinnen. Seine politische Laufbahn, der Kampf um das Präsidentenamt und die Erfahrungen als Präsident bilden den letzten Teil der Biographie. „Die ersten Hochrechnungen, die von den Medien nach 18 Uhr verbreitet wurden, waren ein wahrhafter Tsunami , äußerte ein bekannter rechter Politiker. Gemäß bolivianischen Nachrichtenagenturen hatten die Stimmen für Evo Morales bereits 50 Prozent überschritten und in den folgenden Stunden stiegen die Prozentpunkte weiter“, schreibt Poma über den Wahlabend. „Die Nachricht, dass ein Koka-Bauer an die Regierung gekommen ist, ließ der westlichen Welt die Haare zu Berge stehen und versetzte sie in Alarmbereitschaft.“

      Die Biographie ist in einer sehr einfachen Sprache geschrieben. Das habe er jedoch bewusst so gewollt, sagt Poma im Interview. Er hat das Buch in spanischer Sprache verfasst und wolle es auch in Bolivien veröffentlichen. Die Anhänger Morales, die zum Großteil der indigenen Bevölkerung angehören, haben oft nur eine geringe Bildung. Poma wolle jedoch, dass auch sie das Werk über ihren Präsidenten verstehen.

      Detailliert sind seine Ausführungen, die sich an einigen Stellen jedoch in der Fülle der Informationen, Daten und Fakten verlieren. Doch auch dies begründet der Autor: Besonders die deutsche Leserschaft nehme es sehr genau und sei „gierig nach Wissen“.

      Poma hat zahlreiche Familienmitglieder des heutigen Präsidenten Morales besucht und interviewt. Auch mit den Bräuchen der Aymara kennt er sich aus. Er stammt selbst aus Bolivien. Poma war nach eigenen Angaben politisch aktiv, musste jedoch aus seiner Heimat fliehen und kam so 1974 in die ehemalige DDR. Er hat in Leipzig studiert und lebt heute in der Region. Hier lernte er Florencio Morales Aima kennen, einen Cousin des Präsidenten. Beide kamen zur gleichen Zeit in der ehemaligen DDR an. „Er war für das Buch entscheidend. Die Telefonleitung zu ihm ist manchmal heiß gelaufen“, sagt Poma.

      MURUCHI POMA: Evo Morales, Die Biographie, Militzke Verlag, Leipzig 2007, 224 Seiten, 29,90 Euro

      aus: handelsblatt.com
      (handelsblatt.com/news/Journal/…auer-wird-praesident.html)
      Los que bailan son techados de locos por los que no oyen la música (de Antoine Filissiadis en "Persigue tus sueños")
      KOLUMBIEN: Chiquita sponserte Paramilitärs
      (22.03.2007)

      Der US-Lebensmittelkonzern Chiquita hat eingeräumt, berüchtigte Paramilitärs in Kolumbien geschmiert zu haben.


      Auf die fragwürdige Einflussnahme des Bananenunternehmens in Mittelamerika geht der Begriff "Bananenrepublik" zurück.

      Chiquita habe die Anschuldigungen eingeräumt und sich zur Zahlung eines Strafgeldes bereit erklärt, berichtet die Nachrichtenagentur AP. Damit sind die zuvor eingeleiteten Nachforschungen durch das US-Justizministerium beendet.

      Nur kurz zuvor hatte die US-Staatsanwaltschaft offiziell Anklage gegen den Konzern erhoben.

      Die Strafverfolgungsbehörden werden dem Unternehmen vor, den rechtsgerichteten Vereinigten Selbstverteidigungsgruppen Kolumbiens (AUC) von 1997 bis 2004 insgesamt 1,7 Millionen Dollar (1,3 Millionen Euro) zum Schutz seiner Bananenplantagen in Uraba und Santa Marta in Kolumbien gezahlt zu haben, wie aus den am Mittwoch veröffentlichten Gerichtsunterlagen hervorgeht.

      Verbotenes Finanzgeschäft mit einer Terrorgruppe

      Nach dem US-Gesetz gelten die Zahlungen als verbotenes Finanzgeschäft mit einer Terrorgruppe. In den USA wird die AUC seit dem Jahr 2001 auf der Liste der Terrororganisationen geführt.

      Die Zahlungen seien mit Wissen ranghoher Manager erfolgt und in den Bilanzen vertuscht worden.

      Die USA hatten die AUC im Jahr 2001 auf ihre Liste der Terrororganisationen gesetzt. Zu diesem Zeitpunkt seien Führungskreise der Chiquita Brands International bereits seit mindestens einem Jahr von den Zahlungen an die AUC unterrichtet gewesen, erklärte die Staatsanwaltschaft.

      Zahlungen erst Monate später eingestellt

      Im Februar 2003 habe ein Firmenanwalt den Verantwortlichen deutlich gemacht, dass dieser Geldtransfer illegal sei. Zwei Monate später hätten Konzernvertreter das US-Justizministerium von den Zahlungen unterrichtet. Die Zahlungen seien dennoch erst Monate später eingestellt worden.

      Laut Anklage hatte der in Ohio ansässige Konzern früher auch die linksgerichteten Rebellengruppen FARC und ELN bezahlt.

      Die AUC sind die größte paramilitärische Gruppierung in Kolumbien.

      In dem seit vier Jahrzehnten andauernden Konflikt zwischen rechten Paramilitärs, linksgerichteten Guerillagruppen und der Armee kamen in Kolumbien bislang etwa 200.000 Menschen ums Leben.
      Der Chiquita-Konzern, der aus der United Fruit Company hervorgegangen ist, sieht sich schon seit Jahrzehnten dem Vorwurf ausgesetzt, in Mittelamerika politisch fragwürdigen Einfluss genommen zu haben.

      Der politische Einfluss der United Fruit Company (UFC) in Mittelamerika war auf Grund des großen Landbesitzes überaus groß. Die Firma soll deswegen mehrmals darauf hingewirkt haben, dass Regierungen in Mittelamerika gestürzt werden. Die UFC habe ihren Einfluss immer dann geltend gemacht, wenn die Regierung eines Landes eine Politik betrieben habe, die den Interessen des Konzerns zuwider liefen, so der Vorwurf.

      Einflussnahme in Guatemala

      Das prägnanteste Beispiel bietet die Entmachtung der Regierung in Guatemala: Die UFC war bis 1985 in Guatemala mit ihrer Hauptverwaltung vertreten. Der Konzern betrieb die Post, großflächige Plantagen, die Eisenbahn sowie den einzigen Karibikhafen. Diese Einrichtungen standen allerdings fast ausschließlich der UFC für wirtschaftliche Zwecke zur Verfügung; die Zivilbevölkerung konnte die erhobenen Preise nicht entrichten.

      Diktator Jorge Ubico, der sich bis 1944 an der Macht halten konnte, kam der UFC weit entgegen: Er gewährte dem Konzern den zollfreien Import von Materialien und verlangte umgekehrt nur geringe Ausfuhrzölle auf Bananen.

      Im 1944 entwickelte sich die politische Lage für die UFC nachteilig: Ubico wurde gestürzt und Juan José Arévalo und zu seinem demokratisch gewählten Nachfolger bestimmt. Sieben Jahre später - 1951 wurde Arévalo von Jacobo Arbenz im Amt beerbt.

      Boden an Kleinbauern verteilt

      Die neue Regierung enteignete weitreichende Ländereien der UFC gegen Entschädigung und verteilte den Boden an Kleinbauern. Außerdem setzte sie sich für bessere Arbeitsbedingungen, Mindestlöhne und Sozialleistungen ein.

      Die UFC soll daraufhin ihre Kontakte zum amerikanischen Außenministerium genutzt und einen Regierungssturz gefordert haben. Als Vorwand diente der Vorwurf, die neue Regierung sei kommunistisch.

      Die USA gaben dem Ersuchen nach und intervenierten im Jahr 1954 mit einer Söldnertruppe von 400 Mann, um den Sturz der guatemaltekischen Regierung zu bewirken.

      Arbeitnehmerschutzgesetze gestrichen

      Präsident Arbenz verlor auf Grund des Eingriffs die Kontrolle über das Land und trat daraufhin noch 1954 zurück. Als eine der ersten Amtshandlungen gab der siegreiche Söldner-Führer Castillo Armas der UFC das enteignete Land zurück und strich sämtliche Arbeitnehmerschutzgesetze.
      Das absolute Wissen führt zu Pessimismus; die Kunst ist das Heilmittel dagegen.
      Friedrich Nietzsche (1844-1900), dt. Philosoph


      KUBA: Fidel Castro will zurück an die Macht
      (22.03.2007)

      Die Genesung des vor rund acht Monaten erkrankten kubanischen Revolutionsführers Fidel Castro verläuft nach offiziellen Angaben so erfolgreich, dass er 2008 bei Wahlen wieder an die Macht zurückkehren könnte.

      «Ich bin sicher, dass er in perfektem Zustand sein könnte, um wieder diese Verantwortung (des Staatschefs) zu übernehmen», sagte Parlamentspräsident Ricardo Alarcón, wie die amtliche Nachrichtenagentur «Prensa Latina» am Freitag meldete.

      Nach diesen Angaben sollen im März 2008 die Mitglieder der Nationalversammlung gewählt werden. Kuba werde zuvor eine Nationale Wahlkommission einberufen, die diese Wahlen organisieren solle, sagte Alarcón. Die von den Bürgern gewählte Nationalversammlung werde später die Mitglieder des Staatsrates einschließlich seines Präsidenten wählen.

      Alarcón habe diese kurze Äußerung vor Journalisten am Donnerstag nach einer parlamentarischen Beratung über das Wahlsystem und kommende Wahlen in Kuba gemacht, hieß es. Castro, der sämtliche Amtsgeschäfte Ende Juli 2006 in die Hände seines Bruders Ral übergeben hatte, sei in alle wichtigen Entscheidungen eingebunden, sagte Alarcón weiter.


      Quelle (wie so oft) salsaplus.de
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      Friedrich Nietzsche (1844-1900), dt. Philosoph


      Der Tag des Meeres in Bolivien

      "Deine Grossmutter soll sich ergeben!" - Mit diesem Spruch zeigen sich die BolivianerInnen entschlossen, ihren Zugang zum Meer wiederzubekommen, den sie vor 128 Jahren verloren haben.



      Doch die Feierlichkeiten zum Tag des Meeres in La Paz deckten nur bedingt die Spannungen im Land. Manche Länder feiern ihre militärischen Siege. Aber Bolivien feiert jedes Jahr am 23. März den "Tag des Meeres" als Gedenken an die Niederlage gegen Chile im Pazifikkrieg. Im Jahr 1879 verlor Bolivien die Provinz Litoral und damit seinen Zugang zum Meer.

      Letzten Freitag liess die Regierung von Evo Morales die traditionelle Militär- und Zivilparade in der Hauptstadt La Paz veranstalten. Die "Fahne der Wiedereingliederung des Sees" (Bandera de Reintegracion Maritima), eine blaue Fahne mit goldenen Sternen, wurde auf einem zentralen Platz gehisst als Militärs, Ministerien und alle Schulen von La Paz daran vorbei marschierten. Der Präsident Evo Morales sagte in seiner kurzen Ansprache, seine Regierung bleibe dem Ziel verpflichtet, "unseren Ausgang zum Meer wiederzubekommen, der uns vor 128 Jahren gestohlen wurde".

      Die Ressentiments gegen Chile sind gross. Als die alte Regierung von Sanchez de Losada im Jahr 2003 versuchte, bolivanisches Erdgas über Chile zu exportieren, führte das zu einem Aufstand (dem "Gaskrieg") und dem Sturz der Regierung. Beim Tag des Meeres wurden in der Menschenmenge Flugblätter verteilt, mit dem Aufruf, man solle Chile "nicht mal gruessen" bis sie das gestohlene Land zurückgeben.

      Morales war bemüht zu erklären, dass die Kriege in Lateinamerika nicht von den Völkern, sondern von multinationalen Konzernen provoziert wurden. Deshalb möchte er einen Dialog mit der chilenischen Regierung, um einen Zugang zum Meer wieder zu bekommen. Dabei hob er die sozialen Bewegungen in Chile hervor, die diese Forderung der BolivianerInnen unterstützen: Durch diese "Diplomatie der Völker" sei eine Lösung im Interesse aller Lateinamerikaner zu finden.

      Gleichzeitig beklagte Morales, dass er von den bürgerlichen Medien verfolgt wird. Tatsächlich werden in den letzten Wochen Berichte über Korruption bei der Regierungspartei MAS in den Zeitungen hochgespielt. Die bürgerliche Opposition mobilisiert gegen die sozialen Reformen der Regierung und fordert Autonomie für die reichen Provinzen des Ostens - zuletzt demonstrierten rund eine halbe Million in der Stadt Santa Cruz für diese Forderung.

      Aber auch die Basis von Morales, die Bauern auf dem Land und die Armen in den Städten, werden immer unruhiger. Sie werfen der Regierung vor, zu viele Kompromisse mit der Rechten und den multinationalen Konzernen zu machen - die Verstaatlichungen im Gassektor seien nur "Pseudoverstaatlichungen", weil die multinationalen Konzerne nach wie vor hohe Profite mit bolivianischem Erdgas machen. So gab es diese Woche Strassenblockaden auf der Autobahn zwischen La Paz und Oruro und einen Generalstreik in der armen Grossstadt El Alto neben La Paz.

      Der Tag des Meeres bot ein in dieser Zeit ungewöhnliches Bild der nationalen Einheit. Alle konnten sich auf das "oberste Held des Bolivianischen Volkes", das an diesem Tag gedacht wird, einigen. Eduardo Abaroa starb bei der Verteidigung einer Brücke gegen die chilenischen Invasoren. Als Abaroa von feindlichen Truppen überrannt und zur Kapitulation aufgefordert wurde, rief er seine letzten Worte. Den Spruch gibt es auf Tshirts zu kaufen - es könnte fast als nationales Motto Boliviens gelten: "Mich ergeben? Deine Grossmutter soll sich ergeben, Arschloch!"

      Von Wladek Flakin, La Paz, 23. März 2007
      (linkezeitung.de/cms/content/view/2383/35/)
      Los que bailan son techados de locos por los que no oyen la música (de Antoine Filissiadis en "Persigue tus sueños")

      Kubanischer Musiker Oramas gestorben

      Quelle Spiegel Online von Heute

      Kubanischer Musiker Oramas gestorben
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      Ein weiteres Mitglied des berühmten Buena Vista Social Club ist gestorben. Der Musiker Faustino Oramas erlag im Alter von 95 Jahren einem Leberkrebsleiden, wie das staatliche kubanische Radio meldete.
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      Havanna - Der auch als "El Guayabero" bekannte Musiker war das älteste noch lebende Mitglied des Buena Vista Social Clubs. Er galt als König der Zweideutigkeit. Er komponierte den Titel "Candela" auf der 1997 veröffentlichen CD des Buena Vista Social Club. Die Arbeit brachte schon fast in Vergessenheit geratene kubanische Musikstars zusammen.

      Der deutsche Regisseur Wim Wenders begleitete die Band und drehte einen Dokumentarfilm. Dieser verhalf den Bandmitgliedern, die das Rentenalter schon weit überschritten hatten, Ende der neunziger Jahre zu Weltruhm. Seine Karriere begann Oramas als Troubadour, der mit seiner Gitarre von Stadt zu Stadt zog.

      Bekannt wurde er durch seine mit Metaphern und sexuellen Anspielungen gespickten Liedtexte. Oramas war sich nie sicher über sein genaues Alter.

      Dokumente belegen seine Geburt im Jahre 1911. Es gibt jedoch Vermutungen, dass er bereits 103 Jahre alt war. In den vergangenen Jahren starben bereits mehrere Mitglieder der Gruppe: 2003 waren es Gitarrist Compay Segundo und Pianist Ruben Gonzalez. Sie wurden 95 und 84 Jahre alt. Sänger Ibrahim Ferrer verschied 2005 im Alter von 78 Jahren sowie 2006 der Sänger und Komponist der Band, Pio Leyva. Er wurde 88 Jahre alt.

      reh/Reuters/AP
      CHILE: Gewaltsame Proteste in Chile
      Stand: 30.03.2007 07:09 Uhr

      Mehr als 450 Demonstranten festgenommen
      Bei gewalttätigen Demonstrationen aus Anlass des "Tages des jungen Kämpfers" sind in der chilenischen Hauptstadt Santiago mindestens 106 Polizisten verletzt und landesweit 455 Menschen festgenommen worden - so die Bilanz des Innenministeriums.


      [Bildunterschrift: Gewattätige Polizisten bei der Festnahme eines Demonstranten.]

      Landesweite DemonstrationenZum wiederholten Male forderten die meist jugendlichen Demonstranten ein neues Nahverkehrssystem und Verbesserungen im Bildungssystem. Das ohnehin seit einer Neuordnung des Bustransports chaotische Nahverkehrssystem der Hauptstadt brach durch einen Streik der Mitarbeiter teilweise zusammen. Landesweit gab es in 21 Städten insgesamt 42 Demonstrationen.

      Brennende Barrikaden in Santiago


      [Bildunterschrift: Das Chaos im Nahverkehrssystem bietet Zündstoff für brutale Auseinandersetzungen.]

      In Santiago blockierten die Schüler Straßen und griffen die Polizisten mit Steinen an. Später verlagerten sich die Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstranten auf die ärmeren Außenbezirke der Metropole mit sechs Millionen Einwohnern. Die Demonstranten entzündeten Barrikaden, demolierten Autos und versuchten, einen Supermarkt zu plündern.


      [Bildunterschrift: Verhaftet!]

      Die Proteste waren aber deutlich schwächer als jene vor rund neun Monaten, als tausende Demonstranten Verbesserungen in Schulen, niedrige Fahrpreise im öffentlichen Nahverkehr und eine Reform des Bildungssystems verlangten. Nach wochenlangen Protesten hatte Präsidentin Michelle Bachelet zugesagt, der Bund werde wie gefordert die Verantwortung für die Schulen übernehmen, um im Bildungswesen die Ungleichheit zwischen reichen und armen Regionen aufzuheben.

      Gedenken an Rafael und ToledoJedes Jahr kommt es am 29. März zu gewalttätigen Demonstrationen in Erinnerung an die Brüder Rafael und Eduardo Vergara Toledo, die am 29. März 1985 während der Pinochet-Diktatur in Santiago bei einem Feuergefecht mit der Polizei getötet worden waren. Einer von ihnen war nach der Entwaffnung mit einem Genickschuss ermordet worden. Nachdem die Justiz die Ermittlungen fast 20 Jahre verschleppt hatte, laufen inzwischen Strafverfahren gegen die beteiligten Polizisten.

      Quelle: tagesschau.de
      Das absolute Wissen führt zu Pessimismus; die Kunst ist das Heilmittel dagegen.
      Friedrich Nietzsche (1844-1900), dt. Philosoph


      Ibrahim Ferrers letzter Bolero
      Der kubanische Altmeister des Bolero-Gesangs verabschiedet sich mit dem Album «Mi Sueño»
      Als Siebzigjähriger stand er urplötzlich im internationalen Rampenlicht, der kubanische Sänger Ibrahim Ferrer. Das letzte Album des Altmeisters, «Mi Sueño», ist eine Bilanz der nostalgischen Kunst des grossen Bolero-Barden.

      Leben ist lieben, leiden an der Liebe, der unbeständigen, immer neu beschwörten. Amor, corazón, alma – Liebe, Herz, Seele – sind Schlüsselwörter des kubanischen Bolero, in seiner Grundstimmung schwingt ilusión und desilusión; das einzig Beständige ist inconstancia, das Unbeständige, Vergängliche.

      Der bluesige Bolero der Karibikinsel treibt sich herum in der emotionalen Gegenwelt der überschäumend vitalen, humorvollen, mit erotischen Anspielungen gepfefferten Sones, Guajiras und Criollas. Sein Element ist der Herzschmerz, der öffentlich gemachte und hingebungsvoll zelebrierte.
      Wenn Ibrahim Ferrer, einer der Frontmänner des Buena Vista Social Club, von enttäuschter Liebe singt, von untreuen Freundinnen (Selbstzweifel waren noch nie des Machos Stärke), wenn Ibrahim Ferrer mit dem Schmelz seines hellen Baritons von Trennung und Sehnsucht, von Verrat, Klage und Vergessen kündet, naht die Dämmerung. Verlorene Liebe, sinnleeres Leben.

      Über Nacht weltberühmt

      Liebe und Musik, für Ibrahim Ferrer, den 1927 bei Santiago de Cuba geborenen sanften Sänger, waren sie unzertrennliche Geschwister. Seine Mutter starb, als er zwölf war, er schlug sich durch mit Gelegenheitsarbeiten. Und mit Singen. In den Vierzigerjahren wurde er landesweit bekannt, gehörte aber nie zu den Stars der ersten Reihe. Verbittert brach Ferrer 1991 seine Karriere ab.
      Wie viele andere damals Vergessene der alten Garde kubanischer Musiker wurde er 1997 als Mitglied des Buena Vista Social Club ins Rampenlicht gezerrt und weltberühmt. Knapp ein Jahrzehnt noch konnte der Balladen-Meister sein Publikum auf den Podien vieler Länder entzücken – 2000 erhielt der 73-Jährige den Latino Grammy als «Bester Nachwuchskünstler», ein Zeichen für die Frische und Unmittelbarkeit seines Gesangs. Fünf Jahre später, kurz nach der Rückkehr von einer Europa-Tournee, starb Ferrer in Havanna.

      Homenaje an den Bolero

      Sein Solodebüt hatte er 1999 gegeben mit dem Album «Buena Vista Social Club presents Ibrahim Ferrer». Dann löste er sich aus Ry Cooders Banden, legte «Buenos Hermanos» vor (2003; ausserdem ist seine Stimme auf einigen Kompilationen zu hören) und erträumte sich als nächstes Album eine Homenaje an den Bolero, den authentischen, ohne Kompromisse einzugehen mit dem polierten Mainstream, ohne ein Grossaufgebot an Musikern und Chorvokalisten. Nun liegt es vor, Ibrahim Ferrers Abschiedsalbum, «Mi Sueño» (Mein Traum).
      Ein romantischer Träumer mit jungem Herzen ist er, der alte Mann mit der Schirmmütze, verfallen der Liebe mit ihren süssen und bitteren Geheimnissen, Emotionen und Visionen, und sie beschwörend mit traumwandlerischem Können verwandelt er mit milder Diktion, über den Zwängen des Metrums schwebender Stimme, mit seiner unaufdringlichen Kunst der Improvisation in Wort und Melodie Klassiker wie «Dos almas», «Si te contara», «Convergencia», «Quiéreme mucho», «Perfidia» und «Alma libre» in vielfarbige Boleros von sinnlicher Vitalität.

      «. . . de una cruel desilusión»

      Etwas rauchiger geworden ist sein Bariton, doch hat er nichts verloren an Intensität, Ausstrahlung und Wandlungsfähigkeit. Wer sonst vermöchte in «Deuda» den Schluss «las penas de una cruel desilusión» (die Schmerzen einer grausamen Enttäuschung) an die zwei Dutzend Mal mit wechselnder Empfindung und in immer neuer Färbung so faszinierend zu repetieren als Ibrahim Ferrer?
      Seine opulenten Gefühle entfaltet er hier in intimem Rahmen, und er wird gleichen Sinnes unterstützt durch zwanzig Instrumentalisten in unterschiedlicher Gruppierung, darunter solche mit illustren Namen (Roberto Fonseca und Rubén González, Manuel Galbán, Manuel Guajiro Mirabal, Amadito Valdés). Und als legendäre weibliche Stimme ist Omara Portuondo im dritten Bolero-Duo mit Ibrahim Ferrer nach «Dos gardenias» (1997) und «Silencio» (1999) zu hören: «Quizás» (Vielleicht). Kann Liebesleid schöner sein?

      (espace.ch/artikel_348260.html)
      Los que bailan son techados de locos por los que no oyen la música (de Antoine Filissiadis en "Persigue tus sueños")