KUBA: Guantanamo Bay - Der Dolch in kubanischer Erde (01.06.2006)
Wer heute Guantanamo hört, denkt an das Lager - woran sonst?
Für viele, zumal in den Vereinigten Staaten, ist das Gefangenenlager für mutmaßliche Terroristen des Terrornetzes Al Qaida und für Kämpfer der radikal-islamischen Taliban ein notwendiges Mittel im Krieg gegen den internationalen Terrorismus.
Für mehr noch, in Amerika und zumal in aller Welt, ist Guantanamo das Symbol der moralischen Verirrung eines im ganzen vernünftig organisierten Gemeinwesens - oder gar das Emblem für die Gefährlichkeit einer im ungezügelten Eigeninteresse handelnden Riesenmacht.
Debatten über das Anfang 2002 zunächst in aller Eile aufgeschlagene und seither fortwährend ausgebaute und erweiterte Gefangenenlager, in dem heute noch etwa 460 Männer aus rund drei Dutzend Ländern festgehalten werden, pflegen rasch in hitzigen Streit auszuarten. Garantiert jedes Abendessen endet im Desaster, wenn Leute unterschiedlicher Meinung zu Guantanamo am Tisch sitzen und den unverzeihlichen Fehler begehen, ihre Ansicht nicht nur preiszugeben, sondern auch noch zu verteidigen.
Eine verschlafene Kleinstadt
Es leben auf dem Stützpunkt der amerikanischen Kriegsmarine im Südosten Kubas aber nicht nur die 460 Gefangenen und dazu die Wachmannschaften und Ermittler der "Joint Detention Force" (JTF), die 2000 Soldaten und Offiziere der Teilstreitkräfte Heer und Marine sowie die Mitarbeiter verschiedener Geheimdienste und der Bundespolizei FBI umfaßt.
Die Gesamtzahl der Einwohner des 116 Quadratkilometer großen Marinestützpunkts, den die Vereinigten Staaten seit 1903 von der Republik Kuba gepachtet haben, liegt heute bei etwas mehr als 8000. Neben der JTF stellen die Seeleute des Stützpunkts samt der für die Sicherheit am gut 27 Kilometer langen Grenzzaun zu Kuba zuständigen Marineinfanteristen, die zivilen Mitarbeiter der für Unterhalt- und Versorgungseinrichtungen verantwortlichen Vertragsfirmen sowie schließlich die Familienmitglieder der in Guantanamo Bay stationierten Soldaten und Seeleute jeweils etwa ein Viertel der Einwohner.
Guantanamo Bay - im von Abkürzungen übersättigten Militärjargon kurz GTMO (gesprochen "Gitmo") genannt - ist eine übersichtliche und recht verschlafene Kleinstadt mit einer Grund- und einer Oberschule, zwei Freiluftkinos, wo gerade "Mission Impossible III" angelaufen ist, einer ökumenisch genutzten Kapelle, in der Kaplan Kawczynski in englischer und in spanischer Sprache die katholische Messe liest und Kaplan Goebel protestantische Predigt- und Gospel-Gottesdienste feiert, einem "Navy Exchange" Supermarkt und Andenkenladen mit allerlei GTMO-Tand "Made in China", mit Schnellrestaurants der Ketten McDonald‘s, Kentucky Fried Chicken und Subways sowie seit einigen Monaten einem seit langem ersehnten Starbucks-Coffeeshop, einem halben Dutzend Restaurants, zu denen auch die für die Allgemeinheit zugängliche Offiziersmesse mit dem treffenden Namen "Bay View Club" gehört, und schließlich mit Clubs für Taucher, Segler und Hochseefischer.
Fidel Castro: "Wir werden dieses Stück Land niemals aufgeben."
Es scheint jedenfalls das historische Schicksal von Guantanamo Bay zu sein, im Abstand von ein paar Jahrzehnten aus seinem Dasein im Windschatten des Geschichtsprozesses ins Rampenlicht der Gegenwart gezerrt zu werden.
So war es während der Raketenkrise in Kuba im Herbst 1962, als in aller Eile die Familienangehörigen der Offiziere den Marinestützpunkt an der heißesten Front des Kalten Krieges verlassen mußten.
So war es beim ersten Sturz des haitianischen Präsidenten Jean-Bertrand Aristide 1991 durch einen Armeeputsch, als Zehntausende Flüchtlinge aus Haiti von der amerikanischen Küstenwache von leckenden Schiffen und Booten aus der Karibik gefischt und nach Guantanamo gebracht wurden.
Und so ist es heute mit dem Gefangenenlager, das trotz aller Rufe nach dessen umgehender Schließung fortwährend erweitert und ausgebaut wird.
Guantanamo Bay ist aber auch ein Reservat für Skurrilitäten aus der Zeit des Kalten Krieges. Nicht nur die Straße zum "North East Gate" (Nordost-Tor), dem seit viereinhalb Jahrzehnten geschlossenen Übergang zwischen dem amerikanischen Stützpunkt und der Republik Kuba, sondern auch einige der neu gebauten Hauptverkehrsstraßen sind in Abständen von ein paar Kilometern mit tiefen Löchern versehen, die mit Metalldeckeln verschlossen sind. Im Falle eines Panzerangriffs von kubanischer Seite, der naturgemäß nie kommen wird, können diese Löcher mit Dynamit gefüllt und damit gewaltige Krater in die Straße gesprengt werden.
Zu Zeiten, als die Beziehungen zwischen Washington und Havanna noch freundschaftlich waren, kamen Tag um Tag Tausende Arbeiter aus Kuba auf den Stützpunkt zur Arbeit. Doch nach der Machtergreifung Fidel Castros im Juli 1959 und dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten Anfang 1961 verfügte Castro die Schließung des "North East Gate" und ließ zur Verstärkung des Grenzzauns zum Stützpunkt auf kubanischer Seite Zehntausende Kakteen pflanzen - was dieser karibischen Version des Eisernen Vorhangs zwischen West und Ost sogleich den Namen Kakteen-Vorhang eintrug.
Das zunächst für alle damals 2404 Pendler ausgesprochene Verbot, weiter bei den "Yankees" zu arbeiten, lockerte Castro später und untersagte lediglich, daß weitere Arbeiter vom Marinestützpunkt des Erzfeindes angeworben werden dürfen.
Heute kommen noch drei Kubaner, zwei Ende Siebzig und einer Mitte Achtzig, zu Fuß durch das "North East Gate". Auf amerikanischer Seite steht seit Jahr und Tag der weiße Pick-up geparkt, mit dem sie zu ihrer Arbeitsstelle in der Navy-Autowerkstatt fahren.
Niemand denkt daran, sie in Rente zu schicken, denn sie verdienen nicht nur für ihre Familien ein paar gute Dollar hinzu, sondern sie sind auch die Geldkuriere für jene auf kubanischer Seite, die nicht mehr arbeiten können oder wollen und anders nicht an ihre amerikanische Rente kämen.
"Es sind die Rentenzahlungen für rund 120 Kubaner, die unsere drei Arbeitsveteranen alle zwei Wochen in bar mit nach Kuba nehmen", erzählt Kapitän Mark Leary, der seit September 2005 Kommandeur des Marinestützpunkts und damit so etwas wie der Gastgeber des Gefangenenlagers ist.
Wieviel Dollar es sind, will Leary aus Sicherheitsgründen nicht sagen, mehrere tausend seien es aber schon; auch die Namen der drei letzten kubanischen Pendler werden aus Rücksicht auf die Familien drüben in Kuba nicht bekanntgegeben.
Bizarrer Wettstreit
Zur Zeitpunkt der Grenzschließung von 1961 wohnten zudem 560 Kubaner auf dem Stützpunkt selbst, die meisten siedelten später aufs amerikanische Festland über. Als der letzte kubanische "Gastarbeiter" vor ein paar Monaten in Guantanamo Bay starb und auf Wunsch seiner Familie in Kuba beerdigt werden sollte, wurde zum ersten Mal seit 40 Jahren das für Fahrzeuge geschlossene Tor wieder geöffnet, weil der Sarg zu breit für den Fußgängerübergang war.
Daß auf einem hohen weißen Mast am "North East Gate" nur die amerikanische Flagge weht und über dem Grenzgebäude drüben mit der Aufschrift "Republica Cuba - Territorio Libre de America" (Freies Territorium Amerikas) nicht die kubanische, hat seinen Grund in einem bizarren Wettstreit aus den frühen sechziger Jahren. Nachdem zunächst die Kubaner einen höheren Flaggenmast als die Amerikaner errichtet hatten, zogen diese nach und erhöhten ihrerseits den Flaggenmast um ein paar Meter. So ging es ein paar Mal hin und her, bis die Kubaner schließlich ihre Flagge ein paar Kilometer im Hinterland hißten - wo sie auf jeden Fall höher steht als die amerikanische.
Museal konservierter Zwist
Wie lange der Marinestützpunkt bestehenbleiben und der museal konservierte Zwist am "North East Gate" weitergehen wird, vermag niemand zu sagen. Castro hat den amerikanischen Stützpunkt an der Mündung des Flusses Guantanamo einmal als "Dolch" bezeichnet, "der in die kubanische Erde gestoßen wurde". Und er fuhr fort: "Wir werden die Basis nicht mit Gewalt zurückholen, aber wir werden dieses Stück Land niemals aufgeben."
Havanna ist der Ansicht, der unbefristete Pachtvertrag von 1903, dessen Zweck nach Artikel 7 übrigens - der Schutz der Unabhängigkeit Kubas und dessen Bevölkerung - ist, sei nach völkerrechtlicher Gepflogenheit nach 100 Jahren abgelaufen und heute damit hinfällig.
Washington sagt, unbefristet heiße unbefristet - und erinnert zudem daran, daß der ursprüngliche Pachtvertrag 1934 erneuert wurde. Den Scheck über die jährlich 4000 Dollar Pachtzinsen hat Castro seit den sechziger Jahren nicht mehr eingelöst.
Castros Leibarzt hat dieser Tage übrigens wissen lassen, der "maximo lider", der in diesem August seinen achtzigsten Geburtstag feiert, sei in so prächtiger gesundheitlicher Verfassung, daß er 140 Jahre alt werden könne. Nach knapp einem halben Jahrhundert Herrschaft stünde Fidel Castro damit noch in der ersten Hälfte seiner Amtszeit. Es sei denn, er tritt vor 2066 überraschend zurück.
Wer heute Guantanamo hört, denkt an das Lager - woran sonst?
Für viele, zumal in den Vereinigten Staaten, ist das Gefangenenlager für mutmaßliche Terroristen des Terrornetzes Al Qaida und für Kämpfer der radikal-islamischen Taliban ein notwendiges Mittel im Krieg gegen den internationalen Terrorismus.
Für mehr noch, in Amerika und zumal in aller Welt, ist Guantanamo das Symbol der moralischen Verirrung eines im ganzen vernünftig organisierten Gemeinwesens - oder gar das Emblem für die Gefährlichkeit einer im ungezügelten Eigeninteresse handelnden Riesenmacht.
Debatten über das Anfang 2002 zunächst in aller Eile aufgeschlagene und seither fortwährend ausgebaute und erweiterte Gefangenenlager, in dem heute noch etwa 460 Männer aus rund drei Dutzend Ländern festgehalten werden, pflegen rasch in hitzigen Streit auszuarten. Garantiert jedes Abendessen endet im Desaster, wenn Leute unterschiedlicher Meinung zu Guantanamo am Tisch sitzen und den unverzeihlichen Fehler begehen, ihre Ansicht nicht nur preiszugeben, sondern auch noch zu verteidigen.
Eine verschlafene Kleinstadt
Es leben auf dem Stützpunkt der amerikanischen Kriegsmarine im Südosten Kubas aber nicht nur die 460 Gefangenen und dazu die Wachmannschaften und Ermittler der "Joint Detention Force" (JTF), die 2000 Soldaten und Offiziere der Teilstreitkräfte Heer und Marine sowie die Mitarbeiter verschiedener Geheimdienste und der Bundespolizei FBI umfaßt.
Die Gesamtzahl der Einwohner des 116 Quadratkilometer großen Marinestützpunkts, den die Vereinigten Staaten seit 1903 von der Republik Kuba gepachtet haben, liegt heute bei etwas mehr als 8000. Neben der JTF stellen die Seeleute des Stützpunkts samt der für die Sicherheit am gut 27 Kilometer langen Grenzzaun zu Kuba zuständigen Marineinfanteristen, die zivilen Mitarbeiter der für Unterhalt- und Versorgungseinrichtungen verantwortlichen Vertragsfirmen sowie schließlich die Familienmitglieder der in Guantanamo Bay stationierten Soldaten und Seeleute jeweils etwa ein Viertel der Einwohner.
Guantanamo Bay - im von Abkürzungen übersättigten Militärjargon kurz GTMO (gesprochen "Gitmo") genannt - ist eine übersichtliche und recht verschlafene Kleinstadt mit einer Grund- und einer Oberschule, zwei Freiluftkinos, wo gerade "Mission Impossible III" angelaufen ist, einer ökumenisch genutzten Kapelle, in der Kaplan Kawczynski in englischer und in spanischer Sprache die katholische Messe liest und Kaplan Goebel protestantische Predigt- und Gospel-Gottesdienste feiert, einem "Navy Exchange" Supermarkt und Andenkenladen mit allerlei GTMO-Tand "Made in China", mit Schnellrestaurants der Ketten McDonald‘s, Kentucky Fried Chicken und Subways sowie seit einigen Monaten einem seit langem ersehnten Starbucks-Coffeeshop, einem halben Dutzend Restaurants, zu denen auch die für die Allgemeinheit zugängliche Offiziersmesse mit dem treffenden Namen "Bay View Club" gehört, und schließlich mit Clubs für Taucher, Segler und Hochseefischer.
Fidel Castro: "Wir werden dieses Stück Land niemals aufgeben."
Es scheint jedenfalls das historische Schicksal von Guantanamo Bay zu sein, im Abstand von ein paar Jahrzehnten aus seinem Dasein im Windschatten des Geschichtsprozesses ins Rampenlicht der Gegenwart gezerrt zu werden.
So war es während der Raketenkrise in Kuba im Herbst 1962, als in aller Eile die Familienangehörigen der Offiziere den Marinestützpunkt an der heißesten Front des Kalten Krieges verlassen mußten.
So war es beim ersten Sturz des haitianischen Präsidenten Jean-Bertrand Aristide 1991 durch einen Armeeputsch, als Zehntausende Flüchtlinge aus Haiti von der amerikanischen Küstenwache von leckenden Schiffen und Booten aus der Karibik gefischt und nach Guantanamo gebracht wurden.
Und so ist es heute mit dem Gefangenenlager, das trotz aller Rufe nach dessen umgehender Schließung fortwährend erweitert und ausgebaut wird.
Guantanamo Bay ist aber auch ein Reservat für Skurrilitäten aus der Zeit des Kalten Krieges. Nicht nur die Straße zum "North East Gate" (Nordost-Tor), dem seit viereinhalb Jahrzehnten geschlossenen Übergang zwischen dem amerikanischen Stützpunkt und der Republik Kuba, sondern auch einige der neu gebauten Hauptverkehrsstraßen sind in Abständen von ein paar Kilometern mit tiefen Löchern versehen, die mit Metalldeckeln verschlossen sind. Im Falle eines Panzerangriffs von kubanischer Seite, der naturgemäß nie kommen wird, können diese Löcher mit Dynamit gefüllt und damit gewaltige Krater in die Straße gesprengt werden.
Zu Zeiten, als die Beziehungen zwischen Washington und Havanna noch freundschaftlich waren, kamen Tag um Tag Tausende Arbeiter aus Kuba auf den Stützpunkt zur Arbeit. Doch nach der Machtergreifung Fidel Castros im Juli 1959 und dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten Anfang 1961 verfügte Castro die Schließung des "North East Gate" und ließ zur Verstärkung des Grenzzauns zum Stützpunkt auf kubanischer Seite Zehntausende Kakteen pflanzen - was dieser karibischen Version des Eisernen Vorhangs zwischen West und Ost sogleich den Namen Kakteen-Vorhang eintrug.
Das zunächst für alle damals 2404 Pendler ausgesprochene Verbot, weiter bei den "Yankees" zu arbeiten, lockerte Castro später und untersagte lediglich, daß weitere Arbeiter vom Marinestützpunkt des Erzfeindes angeworben werden dürfen.
Heute kommen noch drei Kubaner, zwei Ende Siebzig und einer Mitte Achtzig, zu Fuß durch das "North East Gate". Auf amerikanischer Seite steht seit Jahr und Tag der weiße Pick-up geparkt, mit dem sie zu ihrer Arbeitsstelle in der Navy-Autowerkstatt fahren.
Niemand denkt daran, sie in Rente zu schicken, denn sie verdienen nicht nur für ihre Familien ein paar gute Dollar hinzu, sondern sie sind auch die Geldkuriere für jene auf kubanischer Seite, die nicht mehr arbeiten können oder wollen und anders nicht an ihre amerikanische Rente kämen.
"Es sind die Rentenzahlungen für rund 120 Kubaner, die unsere drei Arbeitsveteranen alle zwei Wochen in bar mit nach Kuba nehmen", erzählt Kapitän Mark Leary, der seit September 2005 Kommandeur des Marinestützpunkts und damit so etwas wie der Gastgeber des Gefangenenlagers ist.
Wieviel Dollar es sind, will Leary aus Sicherheitsgründen nicht sagen, mehrere tausend seien es aber schon; auch die Namen der drei letzten kubanischen Pendler werden aus Rücksicht auf die Familien drüben in Kuba nicht bekanntgegeben.
Bizarrer Wettstreit
Zur Zeitpunkt der Grenzschließung von 1961 wohnten zudem 560 Kubaner auf dem Stützpunkt selbst, die meisten siedelten später aufs amerikanische Festland über. Als der letzte kubanische "Gastarbeiter" vor ein paar Monaten in Guantanamo Bay starb und auf Wunsch seiner Familie in Kuba beerdigt werden sollte, wurde zum ersten Mal seit 40 Jahren das für Fahrzeuge geschlossene Tor wieder geöffnet, weil der Sarg zu breit für den Fußgängerübergang war.
Daß auf einem hohen weißen Mast am "North East Gate" nur die amerikanische Flagge weht und über dem Grenzgebäude drüben mit der Aufschrift "Republica Cuba - Territorio Libre de America" (Freies Territorium Amerikas) nicht die kubanische, hat seinen Grund in einem bizarren Wettstreit aus den frühen sechziger Jahren. Nachdem zunächst die Kubaner einen höheren Flaggenmast als die Amerikaner errichtet hatten, zogen diese nach und erhöhten ihrerseits den Flaggenmast um ein paar Meter. So ging es ein paar Mal hin und her, bis die Kubaner schließlich ihre Flagge ein paar Kilometer im Hinterland hißten - wo sie auf jeden Fall höher steht als die amerikanische.
Museal konservierter Zwist
Wie lange der Marinestützpunkt bestehenbleiben und der museal konservierte Zwist am "North East Gate" weitergehen wird, vermag niemand zu sagen. Castro hat den amerikanischen Stützpunkt an der Mündung des Flusses Guantanamo einmal als "Dolch" bezeichnet, "der in die kubanische Erde gestoßen wurde". Und er fuhr fort: "Wir werden die Basis nicht mit Gewalt zurückholen, aber wir werden dieses Stück Land niemals aufgeben."
Havanna ist der Ansicht, der unbefristete Pachtvertrag von 1903, dessen Zweck nach Artikel 7 übrigens - der Schutz der Unabhängigkeit Kubas und dessen Bevölkerung - ist, sei nach völkerrechtlicher Gepflogenheit nach 100 Jahren abgelaufen und heute damit hinfällig.
Washington sagt, unbefristet heiße unbefristet - und erinnert zudem daran, daß der ursprüngliche Pachtvertrag 1934 erneuert wurde. Den Scheck über die jährlich 4000 Dollar Pachtzinsen hat Castro seit den sechziger Jahren nicht mehr eingelöst.
Castros Leibarzt hat dieser Tage übrigens wissen lassen, der "maximo lider", der in diesem August seinen achtzigsten Geburtstag feiert, sei in so prächtiger gesundheitlicher Verfassung, daß er 140 Jahre alt werden könne. Nach knapp einem halben Jahrhundert Herrschaft stünde Fidel Castro damit noch in der ersten Hälfte seiner Amtszeit. Es sei denn, er tritt vor 2066 überraschend zurück.
Das absolute Wissen führt zu Pessimismus; die Kunst ist das Heilmittel dagegen.
Friedrich Nietzsche (1844-1900), dt. Philosoph
Friedrich Nietzsche (1844-1900), dt. Philosoph

